Mittwoch, 19. Februar 2014

A Difficult Case of Disregard Teil 2


Titel: A Difficult Case of Disregard 

Fandom: Sherlock
Inhalt: 
Manchmal braucht es eine fremde Perspektive, um festgefahrene Verhaltensweisen aufzulockern…   
Spoiler: Season 2
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Teil: 2/3
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Sherlock Holmes, John Watson




Teil 2
 
Fis. Cis. Gis. Des. Aes. Es. Halbtöne, Zwischentöne. Für ein ungeschultes Ohr manchmal nicht zu erkennen oder zu unterscheiden. Aber dennoch entscheidend für die gesamte Komposition, für das Zusammenspiel aller Noten, der Ermittlung der Gesamtstruktur, der Lösung des Rätsels.
Abrupt hielt Sherlock in dem Zupfen der Geigensaiten inne. Er saß im Schneidersitz auf der Couch, das Instrument hochkant auf seinem Schoß, dessen oberes Ende berührte leicht seine Wange. Zu seinem Unmut spürte er, wie seine Gedanken abzuschweifen drohten, vom Rationalen-Analytischen hin zu undefinierbaren Gefühlsduseleien. Er ertappte sich dabei, sich zu fragen, welcher winzige Ton für den Missklang in seinem Inneren verantwortlich war.
Mit einem unterdrückten genervten Schnauben legte er die Violine beiseite und erhob sich.
Es war absolut irrelevant, mit wem sich John traf. So unbedeutend, dass es völlige Zeitverschwendung war, sich all diese Namen und Gesichter zu merken. Austauschbar, langweilig, uninteressant. Das große Mysterium war nur, dass sich ausgerechnet dieses eine Gesicht in sein Gedächtnis gebrannt hatte und ihn verfolgte wie ein ungelöster Mordfall.



Irgendwoher kannte er diese Frau. Er wusste es, doch es fiel ihm partout nicht ein. Und es störte ihn immens, dass eine solche belangslose Kleinigkeit ihn die ganze vergangene Nacht beschäftigt hatte. Er brauchte Ablenkung, etwas, das seine Intelligenz herausforderte, seine Sinne schärfte und seine Apathie vertrieb. Ihm spukten bereits lästige Banalitäten im Kopf herum, was weitaus schlimmer war als einer scheinbar zu offensichtlichen Lösung nicht auf die Spur zu kommen.
Er warf einen kurzen prüfenden Blick in die Küche. Johns Tasse stand noch nicht auf dem Tisch, die Anordnung der Utensilien für seine Versuche war dieselbe wie am Abend zuvor, doch die dunkle Jacke, die sein Mitbewohner gestern getragen hatte, hing über dem Sessel, er war also nicht mehr fort gegangen, nachdem er kurz nach dem Consulting Detective nach Hause gekommen war. Dieser hatte seine Heimkunft durchaus realisiert, selbst wenn er sich überhaupt nichts hatte anmerken lassen. Wieso sollte er auch? John ging des Öfteren aus, mit verschiedenen Frauen, die alle nicht von Belang waren. Absolut nicht.
Wieso verfolgte ihn dann diese eine?



Er brauchte etwas, das seine Nerven beruhigte. Er hastete zu ihrem gemeinsamen Laptop hinüber und warf einen erwartungsvollen Blick auf seine Website, ob ihn jemand um Hilfe ersucht hatte. Nichts. Er überprüfte sein Mobiltelefon auf neue Mitteilungen. Nichts. Er blätterte fieberhaft die Zeitung vom Vortag nach irgendeinem winzigen mysteriösen Bericht durch. Nichts.
Frustriert und allmählich von einer leichten Verzweiflung getrieben warf er die Druckschrift mit Schwung beiseite, sodass die einzelnen Blätter durch die Luft flogen. Jenem Umstand schenkte er kaum Beachtung, sondern setzte sich wieder auf das Sofa, den tragbaren Computer auf seinem Schoß. Seine Finger flogen nur so über die Tastatur, während er jede erdenkliche Nachrichtenseite der Welt überprüfte. Nichts. Nichts. Nichts. Nichts.
Ein lauter Schrei entfuhr ihm. Er benötigte dringend etwas, um seine Nerven zu beruhigen.
Augenblicklich stürzte er los, durchwühlte Schränke, Schubladen, Regale, sämtliche Stapel unnutzen Krams auf allen Ablageflächen, bis er endlich fündig wurde.



Wenig später, als John schließlich das Wohnzimmer betrat, saß Sherlock wieder im Schneidersitz auf der Couch, die Hemdsärmel bis zu den Ellebogen hochgekrempelt, die Unterarme, die mit der Unterseite nach oben auf den Knien lagen, voller Nikotinpflaster.
Sein Mitbewohner beobachtete ihn lange, die Stirn gerunzelt, Ausdruck seiner Besorgnis und seines schlechten Gewissens zugleich und seufzte dann tief. „Hör mal, es ist nicht…“ Wieder ein Seufzen, was den Consulting Detective verärgert die Augen verdrehen ließ. Wieso sprach sein Gegenüber nicht einfach aus, was er sagen wollte, anstatt sich dauernd selbst zu unterbrechen? So schwer war das nun auch nicht. Er selbst hatte absolut keine Probleme damit, seine Gedanken zu äußern.
Sein Freund machte es ihm auch nicht gerade leichter, seine Erklärungsversuche zu ertragen. „Es war nicht das, wonach es aussah. Wir haben nur geredet.“
Nun, es gab nicht viele Menschen, die mit ihren Lippen auf denjenigen eines anderen nur redeten, ging es Sherlock aus ihm selbst unerfindlichen Gründen durch den Kopf, während er John mit hochgezogenen Augenbrauen dabei beobachtete, wie jener vor ihm rastlos hin und her marschierte und ohne Unterbrechungen seinen Monolog fortführte. „Und selbst wenn es das gewesen wäre, wonach es aussah, selbst wenn… dann ist das nichts, für das ich mich rechtfertigen müsste. Überhaupt nicht. Claire und ich sind zwei erwachsene Menschen und es ist ja nicht so, als ob ich irgendwie gebunden wäre. Außerdem sind wir kein Paar, nur… zwei Männer, die zusammenwohnen, Freunde womöglich, aber nichts, was einen Grund dafür liefern könnte, mir hinterher zu spionieren.“ Sein Mitbewohner atmete noch einmal tief ein und verließ dann, seinem Blick bewusst ausweichend die Wohnung.



Der Consulting Detective sah ihm mit gerunzelter Stirn nach, während seine Gedanken rasten. Johns Worte sagten das Eine, seine Körpersprache, die Betonung einzelner Sachverhalte, die Stimmlage bei bestimmten Satzteilen verrieten etwas ganz anderes. Der andere war beunruhigt, von seinen Emotionen getrieben, das verriet sein rastloses, aber energisches Auf- und Abwandern und dass er eifrig bestrebt war, seine Mimik vor ihm zu verbergen, indem er dabei den Kopf gesenkt gehalten hatte. Seine ausufernde Gestik hatte ihn ebenso verraten.
Die mehrmalige, wiederholte Betonung, dass es keinerlei Gründe für eine Rechtfertigung gab, bewiesen Johns Schuldgefühle, die ihn den dunklen Ringen unter seinen Augen nach zu urteilen bis in den Schlaf verfolgt hatten.
Die entscheidende Frage war, was genau sein Mitbewohner in diesen Zustand versetzte. Auch wenn es Sherlock aus irgendeinem unerfindlichen Grund missfiel, was er gesehen hatte und was er schon oft hatte sehen müssen, war es nicht so, dass sein Freund sich bisher nicht dem anderen Geschlecht zugeneigt gezeigt hatte oder sich dafür schämte. Warum sollte er also so vehement seine Handlungen verteidigen? Die Antwort darauf hatte jener selbst gegeben: Sie hatten nur geredet. Das musste der ausschlaggebende Punkt sein. Was ihn zur nächsten Frage brachte: Über was hatten sie sich unterhalten, das John zu einer derartigen Reaktion veranlassen konnte? Über was oder über wen?
Die Augen des Consulting Detectives verengten sich zu Schlitzen, als er die finale Schlussfolgerung zog.

~ * ~ * ~

Stunden später, es wurde bereits dunkel, starrte Sherlock am Fenster und starrte hinaus auf die Straße. Es hatte erneut begonnen zu schneien, in dicken, festen Flocken, die auf dem kalten Asphalt nicht so schnell schmelzen würden. Er wusste nicht weshalb, aber der Anblick weckte seinen Unmut. Und das andererseits frustrierte ihn über alle Maßen. Sein Verstand begann sich wieder mit Dingen zu beschäftigen, die absolut unbedeutend waren.
So wie am Tag zuvor, als er sich dazu hatte hinreißen lassen, seinem Mitbewohner zu folgen. Was hatte ihn nur dazu getrieben? Langeweile? Die drängende Gewissheit, dass er die fremde Frau irgendwoher kannte und unbedingt hatte erfahren wollen, woher? Oder war es das seltsame Gefühl von Reue darüber gewesen, dass er John zum wiederholten Male in den letzten Wochen aus dem Haus getrieben hatte und dieser ihm immer mehr aus dem Weg ging?
Er verdrängte es, suchte Zerstreuung in anderen Dingen, in banalen kleinen Fällen von verschwundenen Haustieren, geklautem Schmuck, untreuen Ehegatten, Einbrüchen, leicht zu durchschauenden Morden. Doch das änderte nichts an der Tatsache, dass ihm nicht nur ein fesselndes Rätsel fehlte, sondern auch derjenige, der ihm oft die richtigen Impulse gab, seine Gedanken unwissentlich in die entscheidende Richtung lenkte, weil seine völlig andere, häufig unglaublich gewöhnliche Herangehensweise Details offenbarte, die der Consulting Detective nicht selten übersah. Obwohl er es vorher nie für möglich gehalten hätte, hatte er sich inzwischen so an seinen Freund gewöhnt, dass dessen selbst gewählte Abwesenheit ihn in völlige innere Unruhe versetzte.



Plötzlich weckte eine vertraute Gestalt unten auf dem Gehsteig, die direkt auf die Nummer 221B zulief, seine Aufmerksamkeit.
Claire, Claire, Claire… irgendwoher kam ihm dieser Name bekannt vor. Es war nicht lange her, da hatte er ihn schon einmal gehört. Claire, Claire, Claire, hoch gewachsen, schlank, dunkle Locken, in seinem Alter… eine Szenerie, sie stand im Hintergrund einer Gruppe, ein neues Mitglied, unauffällig, schweigend, beobachtend, ihrem Job entsprechend.
Erstaunt riss der Detektiv die Augen auf, als ihn die Erkenntnis ereilte: Claire Richardson, Inspector Lestrades angeblich so großartige Entdeckung, in ihrer Gewöhnlichkeit jedoch leicht zu übersehen.
Was wusste er über sie? Es war nicht viel, er hatte sie nur kurz ins Auge gefasst. Sie war Linkshänderin, das verriet ihre Körperhaltung und die feinen Tintenflecken auf ihrem linken Daumen. Sie hatte keinen Ring getragen und an den unteren Gliedern ihrer Finger hatte er keinerlei helle, verblichene oder eingeschnürte Stellen entdecken können, also war sie unverheiratet und vermutlich auch nie verlobt gewesen. Ein kaum sichtbarer, unbedeutend hellerer Streifen ihres Haaransatzes verriet, dass sie sich jene färbte, entweder war ihr ihre natürliche Farbe nicht dunkel genug oder sie beugte bereits grauen Strähnchen vor. Zumindest bewies es eine gewisse Eitelkeit. Winzige Spuren von Puderzucker an ihrem Ärmel hatten darauf hingewiesen, dass sie kurz zuvor eines der Plunderstücke gegessen hatte, die in einer geöffneten Schachtel auf dem Tisch hinter ihr gestanden hatten. Keine weiteren Hinweise auf Kinder oder irgendein Haustier oder dass sie mit einem Mann zusammenlebte.
Es war nicht viel, lediglich die Grundlagen. Aber wahrscheinlich würde er in wenigen Minuten Gelegenheit haben, sein Wissen zu vertiefen.



Nur Sekunden später klingelte es, kurz, aber entschlossen. Sie war weder ungeduldig noch verspürte sie Furcht. Und sie wusste, dass man ihr auf jeden Fall öffnen würde.
Er musste sich eingestehen, dass er das zu schätzen wusste.
Genau wie den Umstand, dass Mrs. Hudson es war, die ihr die Tür aufmachte.
Er konnte die beiden reden hören, seine Hauswirtin war vernehmlich angetan von der freundlichen Begrüßung der für sie völlig Fremden. Sherlock konnte ein genervtes Augenrollen nicht unterdrücken. Die ältere Dame war wirklich manchmal viel zu leicht von irgendwelchen Sentimentalitäten wie höflichen Floskeln zu beeindrucken.
Er vernahm, dass sie beide die Treppe hochstiegen, sich angeregt unterhaltend und sofort fühlte er eine unerwartet starke Abneigung gegen die bevorstehende Begegnung. Bisher hatte ihm keine der Frauen, mit denen sich John traf, besonders zugesagt, alle unterdurchschnittlich, kaum wert, dass man sich ihre Namen merkte. Doch diese war anders, sie schien nicht von ihm eingeschüchtert oder abgestoßen zu sein. Jedenfalls hatte sie nicht den Eindruck gemacht oder tat es nun, während sie durch die Tür trat.



Ihre Kleidung war nicht auffällig, dunkelblaue Jeans, einen dicken dunklen Mantel aus Wolle, Stiefel aus schwarzem Echtleder, die Handtasche klein, anthrazitfarben, ebenfalls aus Leder. Die Kleidung war nicht neu, aber auch nicht abgetragen, die Schuhe gepflegt, mit Politur behandelt, von welcher kleine Reste an der Spitze zu erkennen waren, dort wo sich keine Schneerückstände befanden. Die Hosenbeine waren etwas zu lang und dennoch nicht hochgekrempelt, was sie nie tat, den abgewetzten unteren Rändern nach zu urteilen, dort wo sie immer wieder mit ihren Absätzen darauf trat. Ihr Makeup passte hierzu: Dezent, nicht aufdringlich, kaum bemerkbar. Etwas Rouge, ein bisschen Puder, blassroter Lidschatten.
Alles in allem nicht der übliche Aufzug für eine romantische Verabredung, eher für ein ungezwungenes Treffen, was sie vermutlich in den Augen seines Mitbewohners auch noch attraktiver machte. Was den spontanen Kuss sehr gut erklären würde.



„Wir sind nur Freunde.“
Ihre direkte, ungezwungene Feststellung brachte ihn für eine Sekunde völlig aus dem Konzept. Sie musste vor ihm gewarnt worden sein, Lestrade hatte diese Gelegenheit sicherlich nicht ungenutzt gelassen. Und trotzdem störte es sie offenkundig nicht, was ihm seine Beobachtungen über sie verrieten. Zudem regte sich etwas in ihm, was er sich nicht erklären konnte: Der unerwartet starke Drang, ihr zu widersprechen. Nicht aufgrund dessen, was er in dem Pub miterlebt hatte, oder anderer rationaler Gründe, sondern um sie zu verletzen, zu beunruhigen oder zu verärgern, sie irgendwie aus der Fassung zu bringen.
Diesen irrsinnigen Drang zu bekämpfen kostete ihm wertvolle Sekunden, Zeit, in der sie sich ihm unbeeindruckt näherte, sich neben ihn stellte und einen kurzen Blick hinaus auf das Fenster warf. Nicht ohne ihrer entschiedenen Aussage etwas hinzuzufügen. „Also nicht solche Freunde wie Sie beide, sondern Kumpels.“
Freunde wie John und er? Sie sagte es nicht höhnisch, abwertend oder mit einem verschwörerischen oder anzüglichen Unterton, wie er es bereits oft bei seinem Bruder oder ihren Kollegen erlebt hatte. Ein sachlicher Kommentar, der keinerlei weiteren Erklärung bedurfte. Als ging sie davon aus, dass er genau wusste, was sie meinte. Er wusste es tatsächlich, aber es entlockte ihm ein misstrauisches Stirnrunzeln, dass sie sich dessen so sicher war. Was hatte ihr sein Mitbewohner bloß über sie berichtet?



Sie beachtete ihn kaum, nickte stattdessen in Richtung Fenster, ihren Blick auf zwei Männer gerichtet, die eng aneinander gelehnt unten auf dem Gehsteig standen und ein teures Auto betrachteten, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite geparkt war. „Kumpels so wie die zwei da unten.“
Nun, der Kuss deutete auf etwas ganz anderes hin und Sherlock dachte nicht daran, dies unerwähnt zu lassen. Er musste ihre Behauptung widerlegen. Sofort! Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, während er fieberhaft nach den winzigsten Anzeichen Ausschau hielt, die ihren Vergleich entkräfteten. Beide Zielpersonen wirkten sehr vertraut, die eine schmiegte sich an die andere, flüsterte ihr vertraulich etwas ins Ohr, die Lippen etwas zu lange zu nahe der empfindlichen Körperstelle. „Sie sind homosexuell!“, kam es dem Consulting Detective über die Lippen, während ein kaum zu bezwingendes Triumphgefühl in ihm aufstieg, bevor es einen bitteren Beigeschmack gewann, als ihm klar wurde, was seine Widerlegung bedeutete: Dass John und Claire wohl doch nicht einfach nur Freunde waren, was ihm einen eigenartigen schmerzhaften Stich versetzte.



Neben ihm hörte er die Polizistin leise kichern. „Willkommen in den wilden Sexträumen eines Sherlock Holmes.“ Es lag kein Spott in ihrer Stimme, lediglich erneut die untrügliche Gewissheit, dass sie ihn in irgendwelcher Hinsicht durchschaut hatte.
Dies und der Inhalt ihrer Bemerkung machten ihn sprachlos, ein Umstand, den er mehr als alles andere hasste. Im ersten Moment war sein Kopf wie leergefegt, er verlor regelrecht die Kontrolle über das Gespräch, fragte sich sogar, ob er sie jemals besessen hatte. Und gerade in dem Augenblick, als sich die Verwirrung in ihm legte, tauchte John auf und torpedierte seine Bemühungen, indem er nach einem kurzen für ihn so typischen sorgenvollen Stirnrunzeln seine ‚Freundin’ fragte, ob sie gehen könnten. Zum Unwillen des Detektivs wich er dabei betont dessen prüfenden Blick aus, nickte ihm zum Abschied nur knapp zu.
Ausgerechnet diese Claire schenkte ihm ein entschuldigendes Lächeln und verabschiedete sich mit einem verlegenen ‚Bye’, bevor die zwei durch die Tür nach draußen verschwanden. Wenig später hörte er ihre Stimme die Treppe hinaufhallen, ein letzter Gruß. „Die sind nicht schwul, die sind betrunken, Sherlock.“
Er drehte sich abrupt zum Fenster um, sah die beiden Männer, die sich inzwischen voneinander gelöst hatten und deutlich schwankend ihren Weg fortsetzten, bis einer von ihnen ausrutschte und hinfiel und der andere viel zu laut lachend einfach weitertaumelte.



Er seufzte tief, frustriert und verärgert, ohne eine Gelegenheit erhalten zu haben, sie mit seinen Ausführungen vernichtend zu schlagen, geschweige denn wenigstens das letzte Wort gehabt zu haben. Der schweigende Abschied seines Freundes und der Anblick der zwei, wie sie gemeinsam vertraut plaudernd die Straße entlangliefen, sich langsam von ihm entfernten, taten ihr Übriges. Irgendetwas schien sie zu verbinden und es war wirklich nichts Sexuelles, das bewies ihre Körpersprache deutlich. Es war etwas völlig Undefinierbares, Tieferes, etwas, das allem Anschein nach mit ihm und seiner Person zusammenhing, und Sherlock brannte innerlich begierig darauf herauszufinden, was genau es war. Zumal sich ein seltsam beengendes Gefühl sich seiner Brust bemächtigt hatte. Als hätte er etwas verlegt und müsse es unbedingt wieder finden. Nur stärker und drängender.
Und im Stillen überkam ihn die Ahnung, dass es kein Gegenstand war, den er zu verlieren glaubte, sondern ein Mensch.


TBC...

 


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