Donnerstag, 20. Februar 2014

A Difficult Case of Disregard Teil 3



Titel: A Difficult Case of Disregard 

Fandom: Sherlock
Inhalt: 
Manchmal braucht es eine fremde Perspektive, um festgefahrene Verhaltensweisen aufzulockern…   
Spoiler: Season 2
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Teil: 3/3
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Sherlock Holmes, John Watson




Teil 3

„Warum hast du dich nicht von ihm verabschiedet?“
Claires bohrende Frage traf ihn unvorbereitet, obwohl er sich selbst aufgrund dieses Umstands leichte Vorwürfe machte. Er hatte Sherlock nicht bestrafen noch es so aussehen lassen wollen, selbst wenn es jenen vermutlich nicht einmal im Ansatz so nahe ging wie ihm. „Ich… na ja… ich hab versucht, es ihm zu erklären… mich zu erklären, aber er -.“ Er stockte und vergrub seine Hände noch tiefer in seinen Jackentaschen. Aus einem ihm unerfindlichen Grund schmerzte es ihn, wie sein Freund reagiert oder nicht reagiert hatte.
Seine Begleitung schien das sofort zu begreifen. „Hat nicht einmal geantwortet?“
John seufzte tief. Genau das war es. Dem Gesichtsausdruck seines Freundes in dem Pub und dem Umstand nach zu urteilen, dass dieser ihnen überhaupt gefolgt war, hatte er etwas ganz anderes erwartet. Keine Standpauke, nein, zu solchen Sentimentalitäten würde sich sein Mitbewohner nie herablassen. Aber zumindest ein abfälliger Kommentar, eine rationale belehrende Bemerkung, irgendetwas in der Art war doch nicht zuviel verlangt. Wenigstens ein klitzekleines Anzeichen dafür, was der Consulting Detective empfunden hatte. Was auch immer es gewesen war. So allerdings machte ihm die Zweifel zu schaffen, was genau Sherlock gehört, gesehen oder kombiniert hatte, das ihn derart abweisend hatte reagieren lassen. Und der ehemalige Militärarzt war sich sicher, dass besonders seine Unterhaltung mit Claire über ihre jeweiligen Freunde jenem wahrscheinlich nicht sehr gefallen hatte.


„Ich denke, er ist eifersüchtig.“
Die Schlussfolgerung, die diese Aussage implizierte, machte John sprachlos. Fassungslos starrte er seine Begleiterin an, die ihre Worte augenscheinlich vollkommen ernst meinte. „Wir sind kein… ich bin nicht…. homosexuell.“
Sie lachte amüsiert auf und er befürchtete schon, sie würde ihm gleich anhand eindeutiger Verhaltensweisen seinerseits das komplette Gegenteil beweisen. Zu seiner Erleichterung tat sie es nicht. „Du bist seine engste Bezugsperson, soweit ich weiß. Ob er nun in dich verliebt ist oder du lediglich der ihm nahe stehendste Vertraute auf der ganzen Welt bist: Er würde in beiden Fällen Angst haben, dich zu verlieren. Er ist nicht der umgänglichste Mensch und ich behaupte mal, er hat ein immenses Vertrauensproblem. Und nachdem er sich dir geöffnet hat, bist du ihm so oder so wichtig.“
John spürte, wie sich seine Wangen leicht röteten, und betete inständig, dass Claire es nicht bemerkte. Sherlock und sich ihm öffnen? Darauf hoffte er schon, seit jener ihn bei ihrer ersten Begegnung so unfassbar leicht durchschaut hatte. Der ehemalige Militärarzt öffnete sich ihm, ob er wollte oder nicht. Im Gegensatz dazu war und blieb Holmes für ihn ein Buch mit sieben Siegeln: Undurchdringlich, verschlossen, überlegen rational. Wenigstens die meiste Zeit über.


Die Polizistin gab ihm daraufhin intuitiv die passende Antwort auf seine schweigende Frage: „Er ist lediglich etwas unfähig, es zu zeigen.“
Etwas unfähig? John entfuhr ein leises Schnauben. Das war die Untertreibung des Jahrhunderts! Der Consulting Detective war ein Meister darin, seine Gefühle tief in sich zu begraben, sogar so tief, dass er selbst vermutlich nicht wusste, welche er überhaupt besaß. „Ich weiß gar nicht, ob ich an so eine Holmes-Version von Eifersucht überhaupt glauben soll. Allein die Vorstellung ist schon gruslig genug.“
Über Claires Lippen huschte ein zaghaftes Lächeln. „So unvorstellbar es auch klingen mag, aber dein Freund ist ein Mensch wie du und ich. Er sieht bloß mehr als wir.“
John kicherte leise. Seiner Meinung nach war das eine absolute Untertreibung, aber vielleicht war er nicht objektiv genug, um das beurteilen zu können. Nicht mehr. „Ich denke, vor allem er würde das ganz anders beurteilen.“
Seine Begleiterin schmunzelte viel sagend. „Reiner Selbstschutz.“ Ohne ein weiteres Wort der Erklärung schritt sie eilig voran.


John folgte ihr stirnrunzelnd und fragte sich, ob ihr Verhalten wohl etwas mit dem Kuss zu tun hatte. Hatte er eine Grenze überschritten, war er zu weit gegangen? Darüber hatte er sich bereits den vergangenen Abend den Kopf zerbrochen, nachdem sie auf seine spontane Tat so irritiert reagiert und ihm kurz darauf eröffnet hatte, dass sie wohl zuviel getrunken hatte und dringend nach Hause gehen sollte. Sie hatten sich kurz verabschiedet und sie war so schnell in der Menge verschwunden, dass er sich sicher war, nicht bloß Sherlock gegenüber völlig falsche Signale gesendet zu haben. Deswegen hatte er auch sofort erleichtert eingewilligt, als sie angerufen und um ein weiteres Treffen gebeten hatte. Er musste ihr unbedingt einiges erklären und würde dadurch hoffentlich ihre Befürchtungen zerstreuen.
Sie war ihm sehr sympathisch und er mochte sie, aber er hegte keinerlei sexuellen Gefühle für sie. Und er wollte, dass sie das wusste, bevor sie sich womöglich Hoffnungen machte, die er nicht erfüllen konnte. Bei all den Beziehungen, die er in den letzten Monaten geführt hatte und die dank seiner Arbeit auseinander gegangen waren, wollte er nichts riskieren. Nicht bei jemandem, der einmal nicht seine komplizierte Beziehung zu Sherlock in Frage stellte oder sie verurteilte. Nicht bei jemandem, der ihn verstand und seine Lage nachvollziehen konnte wie keine Zweite.


Allerdings wollte er es unter vier Augen besprechen und wartete daher, bis sie beide erneut in dem kleinen Pub saßen, diesmal sich gegenüber an einem kleinen versteckten Ecktisch.
John räusperte sich leise, nicht wissen, wie er anfangen sollte. „Ich… dieser Kuss… es war nicht… ich wollte damit nicht… es war bloß, um… du hast so verzweifelt gewirkt und ich wollte nur irgendwie zu dir durchdringen.“
Ihre Antwort bestand lediglich aus einem kurzen Nicken, erleichtert, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. „Ich hatte schon Angst…“ Sie unterbrach sich und er sollte nie erfahren, was genau sie befürchtet hatte. Sie nickte ein zweites Mal, ihr Lächeln wurde breiter. „Der Alkohol war schuld.“
Einerseits störte es ihn, dass sie es zu überspielen versuchte, andererseits war er sehr froh darüber, dass sie sich keine falschen Hoffnungen machte. Daher ging er schnell auf ihren ironischen Spruch ein, bekräftigte diesen. „Definitiv.“
Sie gab sich sichtlich Mühe, nicht loszukichern. „Ein wahres Teufelszeug. Wir sollten ihn nie, niemals wieder auch nur anrühren. Nicht einmal den kleinsten Tropfen.“
Er nickte bestätigend, seine ruhige Art half ihm immens dabei, vollkommen ernst zu bleiben. „Absolut nicht. Das wäre fatal.“
Claire grinste schwach. „Genau! Cheers, Dr. Watson.“
Er hob sein Glas und prostete ihr zu. „Cheers.“ 
Beide leerten gleichzeitig ihren Scotch und begannen dann zur selben Zeit zu lachen.


Kaum hatten sie sich wieder beruhigt, stellte die Polizistin mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck ihr Trinkgefäß beiseite. „So, und jetzt gehen wir.“
John musterte sie mit einem verdutzten Stirnrunzeln. „Was?“
Sie holte geschäftig eine Zehn-Pfund-Note aus ihrem Geldbeutel und legte sie zwischen sie beide auf den Tisch. „Es ist Zeit. Er wird nicht länger warten, sondern gleich das Haus verlassen. Seine Neugier treibt ihn einfach dazu. Wenn wir nicht gehen, verpassen wir den richtigen Moment.“
Sein Stirnrunzeln wurde proportional zu seiner steigenden Verwirrung immer tiefer. Ihre Erklärungen halfen ihm überhaupt nicht weiter, erinnerten ihn sogar ein bisschen an Sherlocks überraschende Schlussfolgerungen, die dieser meist erst im Nachhinein näher erläuterte. „Welchen Moment? Wofür? Und von wem redest du?“
Für ihn unerwartet stand Claire auf, packte seine rechte Hand und zog ihn einfach mit sich. „Komm schon! Das siehst du gleich.“


Verdutzt ließ er sich von ihr mitschleifen, zu neugierig und zu verwirrt, um sich zu wehren. Er brachte nicht einmal ein weiteres fragendes Wort heraus, während sie den Schankraum durchquerten und schließlich hinaus an die kalte Luft traten.
Wieder schneite es, was John mit einem frustrierten Seufzen zur Kenntnis nahm. Doch Gelegenheit zu verzweifeln hatte er nicht, denn seine Begleiterin trieb ihn hastig voran. „Schnell, bevor unsere Chance vorbei ist!“
Ihr diebisches Grinsen machte ihn einerseits nervös, andererseits musste er nun unbedingt erfahren, was sie plante. Aus dem Grund folgte er ihr zwar irritiert, aber eilig vom Gehsteig herunter auf die Straße, wo sie möglichst nahe an den parkenden Autos vorbeilief und zielsicher auf das Haus mit der Nummer 221B zusteuerte.
Wenige Meter von der betreffenden Tür entfernt blieb sie stehen, duckte sich und riss John mit sich in die Hocke, sodass sie perfekt von einem mindestens zehn Jahre alten Ford verdeckt wurden. Sofort streckte Claire ihre Finger nach dem aufgeschippten Schnee vor ihr aus und nahm eine Handvoll auf, um daraus einen Ball zu formen. „ Du musst ihn aus seinem Trott reißen, wenn du seine schlechte Laune vertreiben willst. Tu was Unerwartetes, womöglich sogar Kindisches. Etwas womit er nie gerechnet hätte. Das wird ihn ablenken, seine Gedanken in eine völlig neue Richtung führen. Glaub mir, das hilft.“


Im Stillen ahnte er, was sie damit andeuten wollte, doch er wollte es einfach nicht glauben, was sie vorhatte, während sie umsichtig jeden noch so kleinen Stein aus der weißen Masse in ihren Händen entfernte.
Plötzlich stand sie auf, holte aus und zielte auf die Haustür, die sich genau in dem Moment öffnete und die Schussbahn auf eine hochgewachsene Person in einem langen dunklen Mantel freigab. Der Schneeball traf Sherlock mitten ins Gesicht, der erschrocken zurücktaumelte.
„Viel Glück!“, raunte Claire dem überraschten John zu, bevor sie ein vorbeirauschendes Auto als Deckung nutzte, um ungesehen zu entkommen.
Der ehemalige Militärarzt wollte ihr bereits nacheilen, doch es war schon zu spät.
„John?“ Die fragende und zugleich verärgert klingende Stimme seines Mitbewohners ließ ihn seufzend innehalten. Zuerst wollte er sich einfach aufrichten und die ganze Sache erklären, wie sie passiert war. Doch dann kamen ihm die Worte der Polizistin in den Sinn, dass er seinen Freund unbedingt aus seinem Trott reißen sollte. Sie hatte Recht, so verrückt es auch war. Langsam bückte er sich, hob einen dicken Batzen Schnee auf und formte ihn zu einer Kugel. Wenig später landete diese auf Sherlocks Brust.


Der ihn musterte, als wäre er vollkommen durchgeknallt. Was auch absolut nicht abwegig war. Zu seinem Unmut war dies leider die einzige Reaktion, die sein Gegenüber zeigte und die sich nicht sehr von seinem vorherigen Verhalten unterschied.
Soviel dazu, ihn aus seinem missmutigen Trott zu reißen.
„Warum hat sie das getan?“
John stöhnte leise auf. Es hätte ihn wirklich stark gewundert, wenn Sherlock Claires Flucht einfach so entgangen wäre.
„Und aus welchem Grund musstest du es ihr nachmachen?“ Die deutliche Verärgerung, die aus der Stimme seines Freundes sprach, bewies ihm, dass sein kindisches Tun absolut keine Wirkung gezeigt hatte.
Am liebsten hätte er etwas wie ‚Sherlock, das nennt sich Spaß’ oder ‚Noch nie etwas von einer Schneeballschlacht gehört?’ gerufen, doch er wusste, wie wenig sich jener mit solchen ‚Sentimentalitäten’ anfreunden konnte, insofern er ihren Sinn überhaupt begriff. Da musste man schon rabiatere Methoden anwenden.
Genau dieser Gedanke war es, der ihn umtrieb, während er das Auto vor ihm umrundete, und schließlich zu einer unüberlegten Handlung verleitete: Er nahm Anlauf, wurde mit jedem Schritt schneller und stürmte schließlich regelrecht auf seinen Mitbewohner zu, den er umriss und mit sich zu Boden warf.


Sie landeten beide auf halb auf der Seite, halb auf dem Bauch im Schnee, der den Aufprall auf dem harten Asphalt etwas abfederte. Trotzdem war der Schmerz stark genug, um ihm zu beweisen, dass dies eine ganz blöde Idee gewesen war.
Neben ihm drehte sich sein Freund stöhnend auf den Rücken. „Gott verdammt, was ist nur in dich gefahren?“
Seufzend tat es John ihm gleich. „Ich hab ihr geglaubt, dass man dich mit allen Mitteln aus deinem Trott reißen müsste. Und das kam dabei heraus.“
Er konnte Sherlocks stirnrunzelnden Blick regelrecht auf seiner Wange fühlen. „Ihre Schlussfolgerungen sind unvorhersehbar.“
Verwundert sah der ehemalige Militärarzt zu ihm hinüber. „Sie überrascht dich? Ich glaube, das ist das schönste Kompliment, was du ihr machen kannst.“, erklärte er lakonisch.
Sein Mitbewohner wandte sich ab und atmete tief ein, wie immer, wenn er kurz vor der Lösung eines kniffligen Rätsels stand oder seine Umgebung völlig ausblendete, um sich zu konzentrieren. „Sie erinnert mich irgendwie an dich.“
Sprachlos starrte John ihn an und blinzelte dann ein paar Mal heftig, um diese Nachricht zu verdauen. Das schrie geradezu nach einer staubtrockenen Antwort. „Und das ist das schönste Kompliment, das du mir in den letzten Wochen gemacht hast.“ Und das meinte er ehrlich, sehr ehrlich. Nicht weil er doch gewisse Gefühle für Claire hegte, sondern da Sherlock ihm damit indirekt gestanden hatte, dass auch er für den großen Meisterdetektiv manchmal undurchschaubar und überraschend war.


Sein Freund verstand seine Bemerkung allerdings völlig anders, was ihm ein wissendes Lächeln auf die Lippen zauberte. „Du wirst doch nicht mit ihr eine Beziehung eingehen?“
Jetzt nachdem die Polizistin ihn sozusagen vorgewarnt hatte, glaubte er, die Eifersucht deutlich aus der Stimme des Consulting Detectives herauszuhören. „Neeein.“ Er schüttelte entschieden den Kopf, während er das Wort etwas in die Länge zog, bis sich Sherlock neben ihm merklich entspannte. Nur um dann eine kleine prüfende Spitze anzubringen, ein winzige fiese Rache für all die schlechte Laune, die er in der letzten Zeit über sich hatte ergehen lassen müssen. „Man hat mir mal prophezeit, ich würde irgendwann eine Frau namens Mary heiraten.“
Die Augenbrauen seines Freundes wanderten vor Skepsis so weit nach oben, dass John sich mühsam beherrschen und an etwas furchtbar Trauriges denken musste, um ein verräterisches Zucken seiner Mundwinkel zu verhindern. Die folgenden Worte des Detektivs torpedierten beinahe all diese Bemühungen und fast hätte er laut herausgeprustet. „Und du glaubst einen solchen Unsinn?“
In diesem Moment fiel es dem ehemaligen Militärarzt erstaunlich leicht, ernst zu bleiben, obwohl es ihn im Stillen sehr amüsierte, wie einfach es doch manchmal war, Sherlock aufs Glatteis zu führen. „Natürlich. Ich stehe auf Frauen, die Mary heißen.“


Der Consulting Detective runzelte die Stirn und bedachte seinen Mitbewohner mit einem Blick, als wolle er herausfinden, ob jener nun vollkommen verrückt geworden war.
John seufzte ergeben. „Das war ein Scherz, Sherlock, Ironie. Ha ha.“
Statt einer Antwort landete eine Handvoll Schnee in seinem Gesicht.
Die todernste Erklärung seines Freundes folgte auf dem Fuß. „Allmählich begreife ich den Sinn dieses Spiels.“
Der ehemalige Militärarzt wischte sich irritiert das kalte Nass von seiner Haut und bemerkte dabei aus den Augenwinkeln, wie Sherlocks Mundwinkel verdächtig zuckten. Beinahe gleichzeitig begannen beide zu lachen, der Detektiv sogar wesentlich lauter als John, der ihn verwundert und erleichtert zugleich musterte.
Er hatte es fast bezweifelt, dass es funktionieren würde. So ungewöhnlich und zugleich so simpel war Claires Rat gewesen, dass er geglaubt hatte, sein Freund würde es sofort durchschauen und mit einem abfälligen Blick abtun.
Genau das waren die Momente, in denen er das Zusammenleben mit Sherlock so richtig genoss, obwohl er anfangs geglaubt hatte, hauptsächlich ihr gemeinsamer Drang nach gefährlichen Abenteuern würde sie verbinden und sonst kaum etwas. Sie beide, zusammen in einer völlig skurrilen Situation, das war es, was ihre Beziehung so erstrebenswert machte.
Und nun wusste er auch, dank Claire, wie leicht so eine Situation herbeigeführt werden konnte.


Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte er plötzlich, wie sich ihnen ein älteres Pärchen mit besorgten Mienen näherte. Verlegen setzte er sich auf und raunte seinem Mitbewohner zu: „Wir sollten langsam aufstehen. Ich glaube, wir liegen im Weg herum.“
Auf dessen Lippen schlich sich ein abfälliges Lächeln und er schnaubte leise. „Was interessiert es dich, was sie denken? Der Gehsteig ist breit genug.“
Verdutzt musterte John seinen Freund. „Das was wir gerade tun hat überhaupt keinen rationalen Sinn.“
Sherlock setzte eine todernste Miene auf. „Es dient der Festigung unserer Beziehung.“
Der ehemalige Militärarzt lachte kurz ungläubig auf, bevor er sich die Worte durch den Kopf gehen ließ. Hatte Claire Recht gehabt und bedeutete er dem anderen Mann wirklich so viel? Langsam ließ er sich zurück in den Schnee sinken. Das Ganze war ihm schon etwas unheimlich. „Aber wenn jetzt irgendwo ein mysteriöser Mord passiert, stehen wir doch wieder auf, oder?“
Der Consulting Detective starrte sturgerade aus in den Himmel hinauf. „Natürlich!“
John lächelte still. „Ja, das habe ich mir gedacht.“, murmelte er leise.


Nein, er wusste immer noch, welcher Art die Beziehung zwischen Sherlock und ihm wirklich war. ‚Ich bin mit meiner Arbeit verheiratet.’, hatte sein Mitbewohner ganz am Anfang behauptet. Sein Tonfall hatte etwas Endgültiges, Abweisendes gehabt. Doch dies hier war anders, erfreulich anders. Er bedeutete dem anderen Mann etwas, egal was es auch war, und jener war bereit, für ihn auch mal über seinen eigenen Schatten zu springen.
Und diese Erkenntnis war etwas, das er nie zu hoffen gewagt hatte. Und vielleicht der Beginn von etwas Größerem.



Ende

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