Mittwoch, 19. Februar 2014

Die Frau im Spiegel



Titel: Die Frau im Spiegel

Fandom: Alias
Inhalt: 
Über das komplizierte Leben einer Geheimagentin...
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Teil: 1/1
Disclaimer: 
Alle in dieser Story verwendeten Charaktere, Liedtexte und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.

Songtext:
 Evanescence - Breathe No More

Hauptcharakter(e)/Paar(e): Irina Derevko





I've Been Looking In The Mirror For So Long

Mein ganzes Leben lang habe ich mich verstellt, um meine Gefühle zu schützen, um anderen etwas vorzumachen, um meine Ziele zu erreichen und endlich irgendwann unabhängig von allen anderen Menschen auf diesem Planeten sein zu können.
Immer wieder sah ich in den Spiegel, um zu kontrollieren, ob meine wahren Gefühle auch nicht für andere sichtbar waren. Immer wieder habe ich versucht, meine echten Emotionen tief in mir zu begraben.
Doch immer wieder konnte ich sie in meinem Spiegelbild aufblitzen sehen.



 That I've Come To Believe My Soul's On The Other Side

Ich wusste, dass ich mich irrte, dass niemand um mich herum erkannte, was ich zu verbergen versuchte, was meine wahren Absichten waren. Doch im Spiegel hatte ich das Gefühl, dass ich Anzeichen davon sehen konnte, was ich wirklich empfand. Als würde mein anderes Ich im Spiegel mir immer wieder zu zeigen versuchen, wer ich wirklich war. Als könnte ich dort in der spiegelnden Scheibe meine Seele erkennen.
 


Oh, The Little Pieces Falling, Shatter

Manchmal glaube ich, dass mein Innerstes genauso zerbrechlich ist, wie diese Spiegelscheibe. Jede neue Identität, die ich annehmen musste, um meinen Zielen näher zu kommen und Menschen von mir wegzustoßen, die mich hätten aufhalten können, teilte meine Seele in winzig kleine Stücke. Denn jede neue Persönlichkeit musste unabhängig von den anderen agieren können, um wirklich überzeugend zu wirken und nicht von den übrigen Teilen beeinflusst zu werden. Doch in jede neue Identität legte ich ein wenig von mir selbst hinein, bis irgendwann meine eigene ursprüngliche Persönlichkeit in viele winzige Teile zerstückelt war.



 Shards Of Me Too Sharp To Put Back Together

Diese Scherben repräsentieren jede für sich einen Abschnitt meines Lebens. Ich weiß, wenn ich sie wieder zusammensetzen würde, würde ich vielleicht wieder zu meinem eigenen Ich zurückfinden – oder erkennen, was für ein Mensch ich eigentlich bin. Doch jede dieser Splitter rufen schmerzhafte Erinnerungen hervor, wenn ich sie anfasse und so lasse ich sie liegen.



 Too Small To Matter But Big Enough To Cut Me Into So Many Little Pieces

Eigentlich sind viele der Persönlichkeiten unwichtig, da ich weiß, dass ich nicht dieser Mensch bin, den ich damals vorgegeben habe zu sein. Ich könnte sie wegwerfen, aussondern oder einfach nicht beachten. Es würde nichts an meiner Identität ändern.
Und doch gibt es da Einzelheiten, Erinnerungsfetzen, die mit den Persönlichkeiten zusammenhängen, die mich zerreißen könnten, wenn ich nur an sie denke und mir dabei vor Augen halte, dass diese Zeit nun unwiederbringlich vorbei ist. Dass dieser Mensch, den ich früher verkörpert habe, nie wieder existieren kann.
Weil ich nun weiß, dass das damals nicht ich war und ich es niemals werde sein können.



 If I Try To Touch Her And I Bleed, I Bleed And I Breathe, I Breathe No More

Wenn ich versuchen würde, die Frau von damals zu erreichen, sie hervorzuholen und vielleicht sogar zu berühren, würde mir die Erinnerung daran das Herz bluten lassen. Denn selbst wenn alles nur eine Rolle für mich war, waren die Gefühle dennoch echt. Nur so konnte ich wirklich überzeugend sein. Aber das hat mich auch verwundbar gemacht, mich an Menschen gebunden und Emotionen erzeugt, die mir vor Schmerz den Atem stocken lassen. Als würde meine Lunge bei jedem Atemzug brennen.



 Take A Breath And I Try To Draw From My Spirits Well

Manchmal jedoch hole ich alles hervor, versuche, ich selbst zu sein, wie die, die vorgeben, mich zu lieben, es gerne haben wollen. Dann zeige ich mein wahres Gesicht.



 Yet Again You Refuse To Drink Like A Stubborn Child

Doch das scheint nicht zu reichen. Man misstraut mir, glaubt, ich würde nur wieder lügen und anderen etwas vormachen. Sie glauben mir nicht, weichen mir aus oder sind entsetzt über das, was sie sehen.
Wenn ich nicht versuche, mich zu verstellen, wenn ich ehrlich bin, wenden sie sich von mir ab. Aber wenn ich vorgebe, jemand anderes zu sein, jemand, der ich nicht bin, vertrauen sie mir und denken, das wäre mein wahres Ich.



 Lie To Me Convince Me That I've Been Sick Forever

Vielleicht bin ich krank, ein Mensch, der einfach nicht anders kann, als sich zu verstellen. Jemand, der Hilfe braucht, weil er irgendwann den Überblick über die vielen Teile seiner Identität verloren hat und nun nicht mehr weiß, wer er ist.



 And All Of This Will Make Sense When I Get Better

Es würde Sinn machen. Es würde erklären, warum ich das tue, weshalb ich mich verstelle. Und es würde aufhören – das Spalten meiner Persönlichkeit, meiner Seele –, wenn ich endlich geheilt wäre.



 But I Know The Difference Between Myself And My Reflection

Nur leider weiß ich ganz genau, wer ich bin. Ich kann ganz genau sagen, was mich von meinen Tarnidentitäten unterscheidet und was ich mit ihnen gemeinsam habe. Manchmal kann ich sie sehen, als wären sie eigenständige Personen, die unabhängig von meinem Körper existieren könnten. Ich kenne jede Eigenschaft von ihnen, doch sind diese Eigenschaften nicht meine eigenen. Es sind Charakterzüge, die ich von anderen Menschen übernommen, abgeguckt habe, um überzeugender zu sein.



 I Just Can't Help But To Wonder: Which Of Us Do You Love?

Ich habe diese Fähigkeit im Laufe der Jahre perfektioniert. So perfektioniert, dass ich mich sehr oft frage, ob diejenigen, die mich lieben, mich nur deswegen lieben, weil sie glauben, diese fremden Eigenschaften wären meine. Lieben sie nur eine meiner verschiedenen Tarnpersönlichkeiten, die keinerlei Ähnlichkeiten mit meinem eigenen Ich haben oder können sie doch erkennen, wer ich wirklich bin? Können sie wirklich meine eigene Persönlichkeit lieben oder empfinden sie nur etwas für das Bild, das ich ihnen von mir gegeben habe?



 So I Bleed, I Bleed, And I Breathe, I Breathe Now... Bleed, I Bleed, And I Breathe, I Breathe, I Breathe, I Breathe No More

Während ich das frage, starre ich weiter in den Spiegel. Die schmerzhaften Erinnerungen, die mich zu diesen Fragen treiben, stechen in mein Herz, während ich immer tiefer atme, um genügend Luft zu bekommen.
Irgendwann, wenn entweder ich oder die Menschen gestorben sind, die mich lieben, werde ich die Antwort immer noch nicht kennen. Das macht mich wütend, doch ich kann es nicht ändern. Niemand kann mir diese Frage beantworten, nicht einmal ich mir selbst. Denn dazu müssten sie zulassen, mein wahres Ich kennen zu lernen.
Ich will mich abwenden, doch dann merke ich, dass das Gesicht im Spiegel mich vorwurfsvoll anblickt. Als würde es mir sagen wollen, dass ich wenigstens versuchen könnte, mich zu offenbaren. Doch ich will nicht, kann nicht.
Mein Spiegelbild scheint mich zu drängen, mich überreden zu wollen. Wütend schlage ich mit der Faust gegen die Scheibe, bis sie zersplittert und mein Gesicht nur noch in Bruchstücken zu sehen ist. Blut tropft aus den Schnittwunden auf meinem Handrücken, doch ich merke es kaum. Denn ich kann den Blick einfach nicht von meinem zersprungenen Spiegelbild abwenden.
Wenn meine Seele wirklich auf der anderen Seite der Scheibe war, ist sie nun wirklich zersplittert. In viele kleine Einzelteile, die sich nie wieder zusammensetzen lassen. Nicht von mir, da ich davor fürchte, geschnitten zu werden und nicht von anderen, da ich niemals zulassen kann, dass jemand anderes auch nur einen dieser Splitter in die Hand nimmt und ihn genau untersucht.



Ende




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