Dienstag, 25. Februar 2014

Early One Morning





Titel: Early One Morning 

Fandom: Buffy
Inhalt: 
Ein Oneshot über Williams Entscheidung, seine Mutter zum Vampir zu machen, und deren Hintergründe...

Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Teil: 1/1
Disclaimer: 
Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.

Songtext:
 Early One Morning (englisches Volkslied)

Hauptcharakter(e)/Paar(e): 
William/Drusilla, William/Cecily, Anne Pratt

 




Immer noch liefen Tränen über seine Wangen, während er die letzten größeren Schnipsel seiner lächerlichen Dichtkunst in kleine Stücke riss. ,Sie stehen weit unter mir.’, hatte sie gesagt und ihn damit auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht.



Ja, sie hatte Recht. Wie hatte er nur annehmen können, dass er so einen wundervollen Menschen wie sie verdiente? Jemanden wie sie? William hatte nur einen Traum gelebt, sich eingebildet, sie wären füreinander geschaffen. Sie beide, etwas besonderes, gemeinsam anders als die anderen, die ihn nie hatten verstehen wollen.
Cecily... Der Name, der seine Tage erhellt, ihm die Inspiration für seine Gedichte eingegeben hatte, war ihm nun für alle Zeiten vergällt worden. Er konnte einfach nicht mehr an sie denken, ohne Schmerz über die Tatsache zu empfinden, dass er nicht gut genug für sie war.
Doch da war nicht nur Kummer in ihm. Nein, tief in seinem Inneren fühlte er Wut in sich aufsteigen. Wut darüber, so behandelt worden zu sein.
Wie konnte sie nur? Wie hatte sie ihn nur so verhöhnen, ihn so demütigen können?


Aber sein Herz gebot ihm, nicht auf diese Einflüsterungen zu hören. Er konnte doch auf diese Art und Weise nicht über seine große Liebe denken, nur weil er ihrer nicht würdig war!
Schließlich war er nur der Sohn einer nicht übermäßig begüterten Frau, deren Mann sie verlassen hatte, kurz nachdem ihr Sohn geboren worden war. Er war kein Adeliger, kein reicher Mann, der einer Frau die Welt zu Füßen legen konnte.
Und doch... die kleine Stimme wollte nicht aufhören, ihn zu quälen, ihn dazu zu bringen, aufzubegehren und sich für die ihm zugefügte Schmach in irgendeiner Form zu rächen.
 


Plötzlich bemerkte er aus den Augenwinkeln einen Schatten, der auf ihn zutrat. Wenig später erklang eine fremde Frauenstimme, deren Klang etwas Hypnotisches an sich hatte. Wie der betörende Singsang einer Hellseherin in den dunklen Straßen der Stadt, die ahnungslose Passanten in ihr Reich locken wollte „Ich frage mich, welch furchtbares Unglück der Himmel wohl geschickt haben mag, dass dieser fremde, gutaussehende Herr so leidet?“ 
Er sah auf und erblickte eine dunkelhaarige Schönheit, die ihn interessiert und mit einer Spur von eigenartigem Mitgefühl musterte. Auf einmal überkam ihn Verlegenheit. Einerseits darüber, dass auf seinen Wangen immer noch die Tränenspuren zu sehen sein mussten, und andererseits darüber, dass eine Unbekannte ihn bemitleidete. Der letzte Rest, der von seinem Stolz noch übriggeblieben war, weigerte sich, sich dieser Dame anzuvertrauen. „Gar keins. Ich möchte lieber allein sein.“ Er versuchte, soviel abweisende Kälte wie möglich in seine Stimme zu legen, aber dieser Versuch scheiterte kläglich. 


Und sie schien nicht so schnell aufgeben zu wollen. „Ich verstehe.“, behauptete sie und trat einen Schritt auf ihn zu. „Ein Mann umgeben von Unwissenden, die seine Talente nicht erkennen. Seine Fantasie, seine Größe.“ 
Überrascht sah er zu ihr auf. Sie schmeichelte ihm nur. Doch ihre Worte klangen so ehrlich und berührten den Teil in ihm, der sich durch Cecilys Abweisung gedemütigt fühlte und auf Wiedergutmachung für diese Schmach sann. Sein Stolz, wie er vermutete.


Die Fremde fuhr ungerührt fort, während sie mit ihrer linken Hand vor ihrem Bauch eine kreisende Bewegung vollführte, die ihn zugleich beunruhigte als auch auf eine seltsame Art und Weise faszinierte. Zumal ihre Stimme immer mehr diesen betörenden Klang annahm. „Diese Schmach beherrscht mehr und immer mehr deine Gedanken.“ Sie trat näher an ihn heran. Zu nahe für seinen Geschmack. Der leichte Bann, in den ihre Erscheinung ihn gezogen hatte, brach und er sprang erschrocken von dem Heuballen auf, auf dem er gesessen hatte. Warnend hob er den linken Zeigefinger, doch seine Stimme zitterte viel zu sehr vor Nervosität, als dass er sie hätte beeindrucken können. Das war ihm sofort klar. „Äh, das, das ist aber jetzt... äh... nah genug.“ Verlegen ließ er seinen Finger sinken, als er bemerkte, wie albern dies wirken musste. „Ich habe von den Londoner Taschendieben wohl gehört. Sie bekommen meine Börse nicht, das sag ich Ihnen.“ 


Er wich noch etwas weiter vor ihr zurück, als sie kurz vor ihm in die Knie ging und ihn ansah, als wäre er ein kleines verängstigtes Kind, das man beruhigen musste. „Ich will nicht deine Börse.“ Sie erhob sich wieder, als er verwundert stehen blieb, gefangen von dem entrückten Blick, mit dem sie ihn betrachtete. Langsam kam sie auf ihn zu. Sie schien fasziniert von ihm zu sein, wie eine Motte vom Licht, angezogen von etwas an oder in ihm, das nur sie sehen konnte. Noch nie in seinem Leben hatte eine Frau ihm solche Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. „Dein Wert… liegt hier.“ Sie legte ihre Hand sanft auf seine Brust, dorthin, wo sein Herz lag, das unter ihrer Berührung immer heftiger schlug. „Und hier.“ Ihre Hand wanderte zu seiner Schläfe. 


Am liebsten wäre er weggelaufen. Etwas an ihr beunruhigte ihn zutiefst, doch er konnte nicht genau sagen, was. Es lag in ihrem Blick, ihren Gesten, ihrer Mimik und ihrer Ausstrahlung. Eine Ausstrahlung, die von drohender Gefahr, aber auch von einer verbotenen und faszinierenden Welt kündete. 
„In deinem Geist und…“ Sie sah an ihm hinunter und unwillkürlich meldete sich ein vorfreudiges und vollkommen unangebrachtes Kribbeln in seinem Unterleib. Langsam blickte sie auf. „ – deiner Fantasie.“, vollendete sie ihren Satz. In ihren Augen glaubte er einen wissenden Ausdruck zu erkennen und wurde augenblicklich rot. Sie schien ihn vollständig durchschauen zu können. Ihr Kopf begann sich hin- und herzuwiegen, als wolle sie ihn in Trance versetzen. „Du wandelst durch Welten, die sich andere Menschen nicht vorstellen können.“ 
Und sie schien wirklich Erfolg damit zu haben, denn er fühlte sich genötigt, ihr zuzustimmen. Nein, ein Teil wollte ihr unbedingt zustimmen: Sein Stolz. „Oh ja!“ 


Doch plötzlich meldete sich sein Anstand zurück und er schloss für einen Moment lang nervös die Augen. „Ich meine, nein. Ich meine… Mutter erwartet mich.“, versuchte er sich schwach herauszureden, während sie unbeeindruckt den Kragen seines Hemdes öffnete. 
Fast schon gierig musterte sie seinen Hals. „Ich weiß, was du willst. Du willst etwas, das glänzt und glitzert. Du willst…“ Sie zog ihre Hand zurück und betrachtete sie kurz nachdenklich, bevor sie sie zu einer Faust ballte und ihm direkt ansah. Sofort hatte er wieder das Gefühl, in ihren Augen versinken zu können. „ – etwas, das strahlt.“ 
Da war es, das Wort, dass er vor einer halben Stunde noch so verzweifelt gesucht hatte. Ein Synonym für Schimmern, das ebenso die Vollkommenheit einer Aura wiedergeben konnte und auf das sich leicht ein Reim finden ließ. Es war, als hätte er endlich jemanden gefunden, der ihn verstand. Eine Seelenverwandte. 
Über sein Gesicht glitt ein erleichtertes Lächeln. „Etwas, das strahlt.“ 


Zärtlich hob sie ihre linke Hand und legte ihm ihren Zeigefinger unters Kinn. „Willst du es jetzt?“, erkundigte sie sich fast schon lauernd. 
Die Berührung ihres Fingers, der sich selbst durch den feinen Handschuh viel zu kalt anfühlte, ließ ihn erzittern. „Oh ja!“ Sie nahm ihre Hand herunter und die seine berührte wie selbstverständlich ihre Brust. Zudem konnte er kaum den Blick von ihrem Körper abwenden. „Gott, ja.”
Sie sah hinunter zu seiner Hand und plötzlich veränderte sich ihr Gesicht. Ihre Augen wurden gelb, Falten bildeten sich auf ihrer Stirn und ihre Zähne schienen zu wachsen und spitzer zu werden. Verwirrt, aber nicht abgeschreckt, sondern eher neugierig betrachtete er ihr neues Aussehen, während sie sich langsam zu seinem Hals hinabbeugte und ihren linken Arm um seinen Nacken legte. Wenig später spürte er, wie sich ihre Zähne in seiner Haut vergruben und er zuckte vor Schmerz kurz zusammen. „Au!”, beschwerte er sich, doch sie unterbrach ihr Tun nicht, presste ihn sogar mit einer Gewalt enger an sich, die er von einer zierlichen Dame wie ihr nie erwartet hätte. 
Er fühlte, wie sein Blut ihn verließ und protestierte mehrmals gequält. Doch mit jedem Schluck, den sie von ihm nahm, verschwand der Schmerz und wich einer erlösenden Seligkeit. All die Dinge, die ihm im Leben wichtig gewesen waren, verloren an Bedeutung, als sich allmählich eine trostspendende Dunkelheit auf ihn herabsenkte. Wie aus der Ferne hörte er plötzlich seine Mutter das Lied singen, mit dem sie ihm als Kind sooft in den Schlaf gewiegt hatte.


Early One Morning, 

Just As The Sun Was Rising, 

I Heard A Maid Sing, 

In The Valley Below.



Oh, Don't Deceive Me, 

Oh, Never Leave Me, 

How Could You Use 

A Poor Maiden So?



William erwachte mit dem Gefühl, Bäume ausreißen zu können. Seine Sinne schienen bis aufs Äußerste geschärft und seine Muskeln strotzten nur so vor Kraft. In seinem bisherigen Leben hatte er sich noch nie so stark gefühlt, so lebendig, so frei und ungezwungen. Er war überzeugt davon, dass sich ihm nun nichts und niemand mehr in den Weg stellen konnte. Niemand würde ihn je wieder ungestraft demütigen, auslachen und vor aller Welt bloßstellen. 
Er blinzelte, als ihm plötzlich etwas Erschreckendes auffiel: Er lag in einem Sarg. Der Geruch von Holz und Erde um ihn herum verriet ihm, dass er zudem wohl auch noch eingegraben worden war. Tief unter der Erde. Wie ein Toter. Panik stieg unwillkürlich in ihm auf, als er sich fragte, wie er sich aus dieser Situation befreien sollte. Er war lebendig begraben worden und irgendwann würde ihm sicher die Luft ausgehen... 
Er blinzelte nachdenklich und hielt den Atem an. Still zählte er die Sekunden, bis sie sich zu mehreren Minuten ausdehnten. Doch nichts passierte. Der Drang, verzweifelt nach Luft schnappen zu wollen, blieb aus. Als hätte er es nicht mehr nötig zu atmen. 


Einer Eingebung folgend tastete er nach Puls- und Herzschlag, aber seine Bemühungen blieben erfolglos. Allmählich verfestigte sich eine Ahnung in seinem Inneren, die immer stärker in sein Bewusstsein drang. Er hatte schon von solchen Wesen gehört, Untote, die nachts durch die Straßen wandelten und sich vom Blut Unschuldiger ernährten: Vampire. Doch bisher hatte er diese Geschichten nur für Schauermärchen gehalten, mit deren Hilfe man kleine Kinder davon abhielt, sich nach Anbruch der Dunkelheit davonzustehlen.
In diesem Moment löste sich ein Wort aus diesen Gedanken heraus und beherrschte bald seine gesamten Sinne: Blut. Sein Magen begann vor Hunger und Verlangen zu knurren, erst leise, dann immer drängender, als er ihn zu ignorieren versuchte. 
Er sah nach oben zum Deckel des Sarges und überlegte nicht lange. Er mochte nun ein Untoter sein, ein Geschöpf der Nacht, aber er wollte hier unter der Erde auf keinen Fall verhungern. Ohne dass es ihm bewusst war, verzerrte sich seine Miene augenblicklich zu einer dämonischen Fratze. Er ballte seine rechte Hand zu einer Faust und schlug mit aller Kraft zu. Holz brach und feuchte Erdklumpen rieselten auf ihn herab. Ihn störte dies wenig. Er würde sich nach oben graben, sich ein Opfer suchen, an dem er seinen Durst stillen konnte, und dann zu seiner Mutter zurückkehren, um ihr zu berichten, was ihm widerfahren war. Sie machte sich bestimmt schon große Sorgen um ihn. Und das in ihrem körperlichen Zustand!


Remember The Vows, 

That You Made To Your Mary, 

Remember The Bow'r, 

Where You Vowed To Be True.



Oh, Don't Deceive Me, 

Oh, Never Leave Me, 

How Could You Use 

A Poor Maiden So?



„Du meinst, deine Mum soll mit uns gehen?“ Drusilla verstand sein Anliegen nicht, das konnte er ihr ansehen. Ihr irritierter Gesichtsausdruck verwunderte ihn.
Während er sich aus dem Sarg befreit hatte, hatte er schon befürchtet, die mysteriöse Fremde hätte ihm nur etwas vorgemacht, um an sein Blut zu kommen. Doch sie hatte an seinem Grab auf ihn gewartet und begeistert in die Hände geklatscht, als er mit seinem Kopf durch die Erdoberfläche brach. Wie eine stolze Mutter, deren Sohn endlich das Laufen gelernt hatte.
Er war erleichtert gewesen, dass sie noch da war. Dass sie ihn, den Vampir William, erschaffen hatte, um einen Gefährten zu haben. Um mit ihm zusammen die Welt zu beherrschen und all jene zu strafen, die es gewagt hatten, ihn zu demütigen.
Er hatte geglaubt, dass sie nun umso engere Seelenverwandte wären. Doch nun -. 
Sie sah skeptisch aus, vielleicht auch ein wenig eifersüchtig, wenn das Glück ihm hold war. Aber sie verstand ihn nicht. Nicht im Geringsten. 


Er konnte doch seine Mutter nicht allein lassen! Nicht nachdem sie bereits von seinem Vater verlassen und zudem noch an Schwindsucht erkrankt war. Sie hatte einmal gesagt, dass er die einzige Bezugsperson war, die sie noch hatte, als er noch ein kleiner Junge gewesen war und sich beim Spielen schlimm verletzt hatte. Dass er deshalb besser auf sich aufpassen sollte.
Er war der einzige Mensch, der sich um sie kümmerte. Und sie hatte sich schließlich immer um ihn gekümmert, ihm geduldig zugehört, ihn unterstützt und niemals ausgelacht. So wie all die anderen. Er konnte sie nicht im Stich lassen, so wie es sein Vater getan hatte! Er war nicht wie sein Vater! 
Dru schien dies nicht begreifen zu wollen. Nur weil er nun ein blutsaugender Vampir war, den es danach dürstete, Menschen das Herz bei lebendigem Leib aus der Brust zu reißen, hieß das nicht, dass er sich in seinen Vater verwandelte. Er war ein Monster, kein verantwortungsloser Feigling, der eine todkranke Frau verließ, die allzeit für ihn da gewesen war. 


Plötzlich trat seine Mutter ins Zimmer. Er konnte ihre Besorgnis fühlen und riechen, noch bevor sie ihm erklärte, wie viel Angst sie in den letzten Tagen um ihn gehabt hatte. Er versuchte, sie zu beruhigen, ihr zu erklären, dass es ihm nie besser gegangen und er sie bald für alle Zeit von ihrer Krankheit befreien würde. Sie verstand ihn nicht, wich sogar ängstlich vor ihm zurück. Als Mensch hätte ihm das vielleicht einen schmerzhaften Stich versetzt, doch als Vampir war er sich seiner Sache viel zu sicher, um so etwas wie Bedenken oder Schuldgefühle zu empfinden. Er war darüber hinaus. 
Jedenfalls redete er sich dies ein.
Zitternd ließ sie sich von ihm umarmen, obwohl er fühlte, dass sie am liebsten weglaufen wollte. Sie spürte seine Veränderung, sah sie ihm an und wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte, so vermutete er. 
„Wir werden für alle Zeiten zusammensein.“, versprach er ihr, bevor sein Gesicht sich veränderte. „Es tut nur einen Augenblick weh.“ Dann schlug er seine Zähne in ihren Hals.


Oh Gay Is The Garland, 

And Fresh Are The Roses, 

I've Culled From The Garden, 

To Place Upon Thy Brow.



Oh, Don't Deceive Me,

Oh, Never Leave Me, 

How Could You Use 

A Poor Maiden So?



Nachdem er sie verwandelt hatte, hatte sie sich verändert. Zuerst wollte er es nicht sehen, als sie mit der alten Spieldose in der Hand ins Zimmer kam, aus der die Klänge ihres Lieblingsliedes an sein Ohr drangen. Er war zu erleichtert darüber, dass sie nicht mehr krank war und plötzlich wieder so jung und gesund wirkte. Er redete sich ein, es wäre wie früher, bevor sie erkrankt war. Doch er irrte sich. Er irrte auf so fatale Weise. 
Es begann, als sich der Ausdruck in ihren Augen wandelte. Dieser wurde auf einmal kalt, abweisend und höhnisch. So ähnlich denen der Männer und Frauen, die ihn bei öffentlichen Anlässen gedemütigt hatten. Es war, als würde sie seinen größten Schwachpunkt, den seine Vampirwerdung nicht hatte auslöschen können, gegen ihn verwenden. 
Sie beleidigte ihn, kränkte und entwürdigte ihn, wie sie es im Leben nie getan hatte. 
Doch es wurde noch schlimmer. Sie sagte ihm ins Gesicht, er wäre ein Parasit, ein kleines, lästiges Übel, das sie sich lieber erspart hätte. Er hätte sich nicht verändert, wäre immer noch der schwächliche Tölpel, der er als Mensch gewesen war. Und unweigerlich fragte er sich, ob sie schon immer so empfunden hatte. 


Dann warf sie ihm vor, er hätte sie nur deswegen verwandelt, weil er sie insgeheim begehrte. Sie zu seiner Geliebten hatte machen wollen. 
Noch nie hatte er solchen Ekel für seine Mutter empfunden. Er hatte sie beschützen, sie heilen und für sie sorgen wollen, um nicht zulassen zu müssen, wie sie allein und todkrank vor sich hinvegetierte. Er hatte sie retten, sich um sie kümmern wollen, um ihr das zurückzugeben, was sie ihm sein Leben lang hatte zuteil werden lassen. Er wollte nicht wie sein Vater sein, der sie im Stich gelassen hatte. 
Als sie ihn zu küssen versuchte, stieß er sie grob von sich. Sie reagierte zornig, attackierte ihn und schlug ihn mit ihrem Stock, der daraufhin zerbrach. Ein Blick in ihre Augen genügte, um ihn erkennen zu lassen, dass sie ihn notfalls töten würde. Als sie ihr Vampirgesicht aufsetzte, entdeckte er zum ersten Mal den Dämon in ihrem Inneren. Und begriff, dass er sie töten musste. Er stieß mit dem abgebrochenen Stock, den er zu fassen bekommen hatte, zu und sie verwandelte sich zurück, bevor sie zu Staub zerfiel. Für einen Moment lang sah er wieder seine alte Mutter vor sich, die gütige, geduldige Anne Pratt. 
Der Anblick prägte sich in seinem Gedächtnis ein und ließ ihn mit der bangen Frage zurück, ob sie ihm vielleicht nicht doch ihr ganzes Leben lang diese Güte nur vorgespielt hatte.



Thus Sang The Poor Maiden, 

Her Sorrows Bewailing, 

Thus Sang The Poor Maid, 

In The Valley Below.



Oh, Don't Deceive Me,

Oh, Never Leave Me, 

How Could You Use 

A Poor Maiden So?
 



Ende



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