Freitag, 21. Februar 2014

Under your Pressure



Titel: Under your Pressure

Fandom: Angel
Inhalt: 
Ein kleiner One-Shot über Wes und seinen Vater: Was überhöhte Erwartungen in einm anrichten können....
Spoiler: Season 5
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Teil: 1/1
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Wesley Wyndam-Pryce






Das Scotchglas in seiner rechten Hand schwenkt er leicht hin und her, ohne es zu bemerken.
Seufzend schließt er seine Augen, nimmt einen kräftigen Schluck und stellt das Glas entschlossen zur Seite. Es hat keinen Zweck, wenn er sich bewusstlos trinkt und dann aus seinem Büro stolpern muss.
Dann würde er sich noch erbärmlicher vorkommen, als er es bisher tut.
Außerdem fühlt er sich schon innerlich betäubt, leer und ausgelaugt. Auch ohne den Alkohol, der diese Wirkung nur noch verstärkt.



 Es ist seltsam, eigentlich müsste er Schmerz fühlen, Wut, vielleicht sogar Hass, aber da ist nichts. Als hätte man ihm die Fähigkeit dazu genommen, ihn beschnitten, zu einer gefühllosen Hülle gemacht.
Er hat ihm die Fähigkeit dazu genommen. Wie sonst ist es zu erklären, dass er sich jedes Mal so betäubt, so ausgelaugt fühlt, nachdem er mit seinem Vater gesprochen hat?



 Wesleys Blick gleitet ziellos durch den Raum, sein Kopf ist immer noch erfüllt von den unzähligen Vorwürfen, die Roger Wyndam-Pryce ihm in den letzten fünfzehn Minuten an den Kopf geworfen hatte: Warum er die Familie entehrte, indem er für eine dämonische Organisation wie Wolfram & Hart arbeite, weshalb er immer noch loyal zu diesem verräterischen Vampir halte, aus welchen Grund er bitte schön nachts um halb vier anrufen müsse, nur um etwas zu plaudern...



 Er hat einen Grund gehabt, einen sehr gewichtigen Grund. Er wollte die Stimmen seiner Eltern, die seines Vaters hören, um sich zu versichern, dass es nicht wirklich Roger Wyndam-Pryce war, den er vor ein paar Stunden erschossen hat.
Sein schlechtes Gewissen und die Hoffnung, dass Fred vielleicht Recht hat mit ihrer Behauptung, er habe es geahnt, habe es tief in seinem Inneren gewusst, wer dieser Mann wirklich gewesen ist, haben ihn dazu getrieben, zum Telefonhörer zu greifen.
Doch es ist ein Fehler gewesen. Nun ist die Wut wieder da, die verzweifelte Frustration darüber, dass er es seinem Vater nie recht machen wird. Alles, was er tut, kommt einem einzigen großen Fehler gleich. Er wird immer die Schande seiner Familie sein, besonders in Roger Wyndam-Pryce’ Augen.
Was hat er dem Doppelgänger seines Vaters, diesem Roboter, an den Kopf geworfen? Sei ehrlich, Vater, was macht dich so wütend? Dass ich niemals so gut geworden bin wie du? Oder dass ich besser bin?
Er weiß immer noch nicht, welchen Grund Roger hat, seinen Sohn so zu hassen. Was er weiß, ist, dass die Täuschung der Angreifer so unglaublich echt war. Sein Vater hätte genauso reagiert, dieselben Worte benutzt und ebenfalls eine Schusswaffe auf ihn gerichtet.
Oder irrt er sich?



 Nachdem er den Rat hatte verlassen müssen, dachte er, es würde besser werden.
Wenn er schon nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten könne, weil er nicht gut genug für den Beruf eines Wächters sei, dann gäbe es doch sicher eine andere Aufgabe für ihn, für die er geschaffen wäre. Das sagt er sich immer noch jeden Tag im Stillen auf.
Doch egal was er tut, es ist alles nicht genug, es wird niemals gut genug sein.
All die Jahre, an Angels Seite im Kampf gegen das Böse, hat er seine Frustration darüber sehr gut verbergen können, hat sich nichts davon anmerken lassen.
Nur manchmal brach sie hervor, zum Beispiel als er sah, welches Glück Fred mit ihren Eltern hat. Roger und Trish Burkle sind stolz auf ihre Tochter, egal was sie tut: Ob sie nun eine neue physikalische Theorie entwickelt und der weibliche Stephen Hawking wird oder ob sie Dämonen tötet.
Etwas was er wahrscheinlich nie erreichen wird.



 Er seufzt. Nun, er will nicht ungerecht sein. Seine Mutter hat ihn immer verteidigt, ihm Mut zugesprochen. Doch da sie das bisher nur heimlich, nie in Gegenwart ihres Mannes, getan hat, ist er sich nicht sicher, ob sie wirklich stolz auf ihn ist oder damit nur ihr Mitleid und ihr schlechtes Gewissen zum Ausdruck bringt.



 Er greift wieder zum Glas, trinkt es in einem Zug leer. Es ist verrückt. Er hat die fruchtbarsten Dämonen getötet, wahrscheinlich wesentlich mehr als sein Vater. Er hat sein Leben für Angels Sohn riskiert und wäre dabei fast verblutet. Und er hat seine dunkle Seite entdeckt, sich ihr gestellt und gewonnen. Er hat sich verändert, ist härter geworden. Er ist nicht mehr der lächerliche Möchtegern-Wächter wie vor fünf Jahren, der ständig seine Waffen fallen ließ und glaubte, die Realität wäre so, wie die Lehrbücher des Rates sie darstellen. Ja, er empfindet seine Ausbildung zum Wächter als lächerlich lückenhaft. Sie war viel zu theorieorientiert gestaltet und überhaupt nicht auf reale Gegebenheiten zugeschnitten. In den letzten vier Jahren hat er weitaus mehr gelernt als an der Wächterakademie. Weshalb also schafft es sein Vater immer wieder, ihm das Gefühl zu geben, er wäre ein Versager? Warum ist er nicht stolz darauf, dass er einer der wenigen ausgebildeten Wächter ist, die im Feld neben ihrer Jägerin bestehen könnten?



 In gewisser Weise hat Fred Recht. Er zerfleischt sich selbst mit all diesen Fragen, besinnt sich nicht darauf, was er kann und was er ist, sondern auf das, was er sein sollte. Er hat immer nur vor Augen, was sein Vater in ihm sehen will. Ob es nun das Idealbild ist, das Roger Wyndam-Pryce nur allzu gern selbst erfüllen würde, oder die Anforderungen an seinen Sohn sind, ist dabei unbedeutend. Das Einzige was zählt ist die ständige Erkenntnis, dass er die Erwartungen nicht erfüllen kann. Doch ist das wirklich wichtig? Macht es ihn zu einem schlechteren Menschen, wenn er nicht den Wunschvorstellungen seines Vaters entspricht? Sollte er nicht lieber seinen eigenen Vorstellungen genügen? Sollte er nicht eher sein eigenes Leben führen und sich einen Dreck um die Meinung des Älteren scheren? Ja, das sollte er. Doch warum tut er es nicht? Warum hat er sich im Angesicht seines Vaters vom selbstbewussten Leiter der Abteilung für Magie in einen unsicheren Waschlappen verwandelt? Ist das etwa seine Reaktion auf den Erwartungsdruck? Zu dem zu werden, was Roger Wyndam-Pryce immer in ihm sehen wird? Ist das etwa seine Antwort darauf, dass er in den Augen seines Vaters immer ein Versager sein wird? Dass er diesen darin auch noch bestätigt?



 Nein, Fred hat Unrecht gehabt. Dort auf dem Dach wollte er seinen Vater töten. Er wollte ihn dafür bestrafen, dass dieser ihm nie irgendein Lob zugesprochen, ihm nie das Gefühl gegeben hat, geliebt zu werden. Seine Freunde haben ihm dieses Gefühl gegeben, ihn akzeptiert und seine Fähigkeiten zu schätzen gewusst.



 Langsam wird ihm bewusst, dass Roger Wyndam-Pryce am besten keine Rolle mehr als Vorbild in seinem Leben spielen sollte. Er weiß nicht, was sein Vater eigentlich von ihm will, doch er bezweifelt, dass er das jemals herausfinden wird. Und falls dieser Mann irgendwann einmal wirklich seine Freunde bedrohen wird, wird er sie im Zweifelsfall genauso verteidigen wie vor ein paar Stunden auf dem Dach. Selbst wenn er dafür seinen Vater verletzen oder sogar töten muss.



 Mit diesem Gedanken im Hinterkopf steht er langsam auf. Obwohl ein Teil von ihm aufgrund dieser Entscheidung Reue empfindet, verspürt er auch Erleichterung.
Vielleicht wird er sich auf diese Weise endlich von seinem Vater und dem Drang, ihm gefallen zu müssen, befreien können. 



Ende

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