Montag, 17. März 2014

It started with a kiss Teil 2


Titel: It started with a kiss

Fandom: Harry Potter

Inhalt: Es begann mit einem Kuss und endete in einer Tragödie. Dazwischen lagen Jahre voller Trauer, Verleugnung und gegenseitigem Verrat… und verzweifelten Gefühlen.

Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Teil: 2/4
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere, Grundkonzepte und Songtexte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.

Hauptcharakter(e)/Paar(e): Severus Snape/Lucius Malfoy




Teil 2

Wir Leben Versteckt.

Wischen All Unsere Spuren Weg.

Vor Den Ander’n Und Vor Uns Selbst.

Damit Kein Mensch Jemals Sieht,

Wer Wir In Wahrheit Sind.

(Die Toten Hosen – Der letzte Kuss)



London, Oktober 1979

Sein Labor spiegelte perfekt seine Laune wider. Die drei großen Fenster waren mit schwarzen Samtvorhängen verhüllt, sodass keine Sonnenstrahlen in den Raum dringen konnten. Das blauweiße Licht der Fackeln erhellten seine Umgebung gerade gut genug, um die einzelnen Zutaten unterscheiden zu können. Und der Inhalt der Regale war ordentlich eingeräumt, aber die Utensilien in seiner Reichweite lagen wild verstreut auf seinem Arbeitstisch.
Severus Snape war in einer miserablen Stimmung. Er hatte geglaubt, das Schlimmste bereits erlebt zu haben. Doch die Ereignisse der letzten Tage machten ihm schwer zu schaffen. Etwas das er sich kaum eingestehen wollte.
Lucius hatte vor kurzem geheiratet. Eine reinblütige, gleichaltrige Frau aus einer reichen, alteingesessenen Zaubererfamilie. Ausgerechnet eine Black! Das hatte ihm gerade noch gefehlt, nachdem er jahrelang von Sirius drangsaliert worden war.


Er würde sich nach außen hin nichts anmerken lassen. Besonders nicht falls Lucius gedachte, in dieser Wohnung vorbeizuschauen und ihm die Situation erklären zu wollen. Und er kam bestimmt vorbei, mit all seinen faulen Ausreden und lächerlichen Entschuldigungen.
Seit langem hörte er nichts anderes. Denn obwohl sein so genannter heimlicher Liebhaber vor einem Jahr felsenfest behauptet hatte, er würde nie dem Drängen seines Vaters nachgeben und sich vermählen, hatte er genau das getan. Soviel zum Thema Ewige Rebellion gegen die aufgezwungene Lebensweise.
Lucius war ein Heuchler, mehr nicht. Und er selbst würde von nun an der ewige Geliebte sein, den man vor aller Welt verstecken musste, um den eigenen Ruf nicht zu gefährden.
In solchen Momenten fragte er sich ernsthaft, weshalb er überhaupt auf diese „Beziehung“ eingegangen war. Er musste wirklich verzweifelt gewesen sein zu glauben, das Ganze wäre keine dieser unbedeutenden Affären, die ein adliger Zauberer sich in seiner Jugend leistete. Aber das würde von jetzt an vorbei sein.


Aus diesem Grund war er in seine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung mitten in der Innenstadt London gekommen. Er suchte bewusst die Konfrontation, hier, innerhalb dieser Wände, wo Lucius und er sich seit Jahren trafen. Heimlich, versteckt vor aller Augen.
Das hätte ihm schon längst zu denken geben müssen.
Das kleine Domizil war nicht seine Idee gewesen. Malfoy Junior hatte es ihm gekauft, um nicht die „Bruchbude“, wie er Snapes Elternhaus nannte, betreten zu müssen. Severus hatte damit keine Probleme, selbst wenn er seinen verstorbenen Muggelvater gehasst hatte. Daher würde er wohl auch ihr „Liebesnest“ verkaufen, sobald er sich von Lucius getrennt hatte.
Grimmig seufzend hielt er in seinem Tun inne und warf einen prüfenden Blick in den dampfenden Kessel vor ihm. Die Flüssigkeit darin erhielt langsam die richtige Färbung. Das Ergebnis befriedigte ihn. Jeder schwierige Zaubertrank, der ihm gelang, gab ihm ein unverfälschtes Hochgefühl. Ohne Schmerz oder fahlem Beigeschmack.


Ein leises Knarren der Diele vor der Tür zum Schlafzimmer schreckte ihn auf. Langsam drehte er sich um und entdeckte Lucius, der gerade den Raum betrat. Mit ausdrucksloser Miene verschränkte er die Arme vor der Brust. Ein unzureichender Schutz gegen das, was sicher folgen würde.
„Du hast es also bereits gehört.“ In der Stimme seines Gastes schwang ganz leise etwas mit, das man als Beschämung deuten konnte. Oder es war lediglich ein Versuch, ihn einzulullen.
Severus schnaubte verächtlich. „Hältst du mich für blind? Oder für völlig verblödet? Ich lese den Tagespropheten. Die Schlagzeile auf der ersten Seite ist nicht leicht zu übersehen.“
Lucius sah zur Seite und atmete einmal tief durch. Das tat er häufig, wenn er versuchte, sich zu beherrschen. Für Snape war dies ein kleiner Triumph. So hatte er sichergestellt, dass sein Freund ihn nicht mit falschen Versprechungen einfach in sein Bett zu locken versuchte.


Leider reckte dieser nur wenige Sekunden später stolz das Kinn. Ein Anzeichen dafür, dass er bereit war, den Kampf aufzunehmen. Und sich notfalls das, was er wollte, nach einer kurzen Zeit in Folge einer kleinen Auseinandersetzung zu holen. „Was willst du von mir hören?“
Was er hören wollte? Severus hätte am liebsten verächtlich aufgelacht. „Ich will, dass du verschwindest. Geh zu deiner Frau und verschone mich mit deiner lästigen Anwesenheit.“
Ein kurzes, verletztes Flackern in Lucius’ Augen machte ihm Mut, dass sie dies endgültig beenden konnten, bevor er sich dem Schmerz einer außerehelichen Affäre hingeben musste. Doch das Flackern war lediglich eine zündende Flamme, die in einer harschen Erwiderung explodierte. „Ich weiß nicht, was du hast. Lily Evans schwebt noch immer um dich herum, egal was ich tue. Du liebst sie mehr als mich.“


Zuerst war Snape ehrlich überrascht über diese für ein Mitglied des Magieadels so skandalöse Enthüllung. „Das ist eine Tatsache, kein Grund für deine Entscheidung. Sie ist nicht hier und sie wird auch niemals hierher kommen.“ Wollte oder konnte sein Freund nicht begreifen, dass dies nichts mit ihnen zutun hatte? Sollte er seine Gefühle für seine frühere Liebe mit Hilfe von Magie aus seinem Inneren verbannen? Er würde es tun, wenn es so einfach wäre.
Sein Gegenüber schüttelte übertrieben fassungslos den Kopf. „Aber falls sie sich plötzlich für dich entscheiden würde, würdest du sofort zu ihr rennen.“
Severus begriff allmählich den wahren Grund für die Hochzeit. „Heißt das, du hast dir einen Ausgleich geschaffen, zu dem du hinrennen kannst, sobald dir das mit uns zuviel wird?“
Eine schwache Röte überzog Lucius’ Wangen. Offensichtlich bebte er innerlich vor Zorn. „Vielleicht habe ich es allmählich satt, der ewige Zweite in deinem Herzen zu sein.“


Snape spürte, wie seine Wut für ihn langsam unerträglich wurde. Was verlangte dieser Mistkerl bloß von ihm? Dass er ihm allein sein Herz überließ, nachdem er bei Lily so erbärmlich versagt hatte? Wieso sollte es bei einem Mann, der in der Gesellschaft so weit über ihm stand, anders sein? „Ach, hör doch auf! Das sind alles bloß Ausreden, weil du nicht zugeben willst, dass du nicht bereit bist, auf dein Erbe zu verzichten.“
Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, bereute er sie bereits zutiefst. Im Stillen wusste er, dass sein Freund sehr viel für ihn empfand. Nur glauben konnte es sein verletztes Selbst nicht.
Lucius’ Kiefermuskulatur spannte sich sichtlich an. Er war schwer getroffen. „Bei Narzissa kann ich mir wenigstens sicher sein, dass ich der Einzige bin, den sie liebt.“
Daran zweifelte Severus stark. Dafür kannte sie ihren Mann nicht lange genug. „Dann hat sie bisher nicht viel von der Welt kennen gelernt.“


Wortlos und abrupt drehte sich sein Gast um und stolziert aus dem Raum. Er schenkte Snape nicht einmal einen kalten Blick. Doch so wollte dieser ihn nicht gehen lassen. „Ich gebe dir einen guten Rat: Gewöhn dich daran, dass du nicht jedes Mal im Mittelpunkt stehen kannst!“
Die Wohnungstür schlug krachend ins Schloss. Voller Zorn auf sich selbst packte Severus eines der Fläschchen auf seinem Schreibtisch und warf es gegen die Wand, wo es in tausend Scherben zersprang.


Spinner’s End, November 1981

Seine energischen Schritte hallten in der nächtlichen Stille wider, während Lucius Malfoy mit hocherhobenem Kopf über das unebene Pflaster schritt. Hinter ihm lag ein schlammiger Fluss, dessen Gestank ihn verfolgte, obwohl er sich immer schneller davon entfernte.
Den Weg unter ihm, übersät mit Muggelabfall aus Papier- und Plastiktüten, Schokoriegelverpackungen und Getränkedosen, konnte man kaum als Straße bezeichnen. Häufig musste er aufpassen, um mit seinen Stiefeln nicht in ein Schlagloch zu treten und sich den Fuß zu brechen. Zudem waren die Steine noch feucht und glitschig vom nachmittäglichen Regen, was sein Vorankommen zusätzlich erschwerte.
Doch dies war nicht das Grauenhafteste, was ihn auf diesem Ausflug erwartete. Die teilweise bereits eingestürzten Bruchbuden, auf die er zugehen musste, verhießen nichts Gutes.
Er begriff nicht, weshalb Severus freiwillig in einer solchen Gegend wohnen wollte. Scheinbar trachtete der Gute danach, sich selbst zu bestrafen.


Vorsichtig marschierte er zwischen zwei halbzerfallenen Gebäuden hindurch in eine Gasse hinein. Er erwartete jeden Moment, dass sie in sich zusammenkrachten und eine ganze Ladung Schutt ihn unter sich begrub. Sie taten es nicht und er beschleunigte automatisch seine Schritte, bis er auf der nächsten Straße angekommen war. Nur kurz sah er sich um, um sich zu orientieren. Seine Umgebung hatte nicht an Schönheit gewonnen, obwohl hier die Außenmauern der meisten Häuser intakt waren.
Ein Schatten huschte an einer der Ruinen vorbei und verschwand in der Dunkelheit. Unwillkürlich zog sich Lucius die Kapuze seines Umhangs tiefer ins Gesicht, senkte den Kopf und setzte eilig seinen Weg fort. Normalerweise hätte er zu diesem Zeitpunkt seine Entscheidung längst bereut. Aber es war Severus, den er besuchen wollte. Das trieb ihn voran, ohne seine Zweifel zuzulassen. Er musste seinen Freund wieder zur Besinnung bringen.


Während er durch die stinkenden Gassen streifte, verlor er sich in seinen Gedanken, um sich von dem Muggelelend um ihn herum abzulenken.
Snape und er verband eine wirklich turbulente „Beziehung“. Seit ihrem heftigen Streit vor zwei Jahren über seine Hochzeit mit Narzissa hatten sie sich dreimal getrennt. Und genauso oft wieder zusammengefunden. Lucius war nicht in der Lage, es lange ohne Severus auszuhalten. Ohne seinen wundervollen Ausgleich zu der unerträglichen Verlogenheit seiner sonstigen Umgebung. Früher, als Jugendlicher, war ihm dies nie in der Weise aufgefallen. Erst nachdem er die unverblümten Kommentare seines Freundes kennen gelernt hatte, war ihm bewusst geworden, wie sehr er Ehrlichkeit in seinem Elternhaus vermisste. Und wie sehr er sie brauchte, um das Leben in den Diensten des Dunklen Lords ertragen zu können. Er hatte sich Ihm hauptsächlich seinem Vater zuliebe angeschlossen. Die Familientradition verlangte es, neben vielem anderem. Zudem verdienten nichtmagische Unterdrücker, vor denen sich Zauberer verstecken mussten, nur den Tod. Oder ein Dasein in Sklaverei.
Severus dagegen glaubte an Seine Ideale, weil er es selbst erlebt hatte. Und das war es, was Lucius immer wieder Auftrieb gab.


Nun war es aber sein Freund, der Auftrieb benötigte. Und zwar dringend, bevor Voldemort die Geduld verlor und Seinen Diener hart bestrafte. Aus diesem Grund wagte er sich auch in diese abscheuliche Gegend, obwohl er sich einmal geschworen hatte, sie nie zu betreten.
Nun streifte er durch die Gassen in der Hoffnung, möglichst bald sein Ziel zu erreichen. Endlich gelangte er in die richtige Straße, an dessen Ende er zu seiner Erleichterung das gesuchte Haus entdeckte. Obwohl es völlig unangebracht war, rannte er beinahe darauf zu. Sein Anstandsgefühl beruhigte er damit, dass ihn lediglich ein paar schmutzige Muggel sehen konnten. Und diesen war er beileibe keine Rechenschaft schuldig.
Dennoch war er froh, als sich seine Finger um die Klinke des Eingangs schlossen und diese ohne Probleme herunterdrücken konnten, sodass die Tür leicht aufsprang. Er hatte bereits befürchtet, Severus wolle sich etwas antun und hätte sich verbarrikadiert.


Vorsichtig trat er ein. Er brauchte nur ein paar Schritte zu gehen und erreichte schon ein kleines Wohnzimmer. Hunderte von Büchern, in dunkles Leder gebunden, stapelten sich in den Regalen, die jede der vier Wände einnahmen. Die übrige Einrichtung, ein Sofa, ein Sessel und ein kleiner Tisch, wirkte vernachlässigt, zerschlissen, abgewetzt und marode. Eine dicke Staubschicht lag auf den Möbeln, Wasserränder schmückten zuhauf die Tischplatte.
Doch all der Schmutz erweckte nicht seinen Ekel. Nicht nachdem er seinen Freund mit unbeteiligtem Gesichtsausdruck am Fenster stehen sah.
Er war ein stolzer Mann, doch Snape war wesentlich stolzer. Weil er nicht auf Oberflächlichkeiten wie einer traditionsreichen Familie zurückblicken konnte, sondern um sich selbst vor den Verletzungen des Lebens zu schützen. Gerade aus diesem Grund erschreckte es ihn umso mehr, den Jüngeren in dieser Verfassung zu erleben.


Severus schien seine Umgebung kaum wahrzunehmen. Er starrte stur geradeaus hinaus auf die Straße, emotionslos und desinteressiert an allem um ihn herum. Lucius näherte sich ihm behutsam, während er jeden Moment einen Nervenzusammenbruch seines Gegenübers erwartete. Doch sein Freund rührte sich nicht, als habe er ihn gar nicht bemerkt.
Sein Gast stellte sich neben ihn und folgte seinem Blick nach draußen. Er fühlte sich hilflos und verzweifelt, war jedoch nicht imstande, dies nach außen zu zeigen.
Unerwartet plötzlich bemerkte Snape seine Anwesenheit. „Du hättest mir sagen sollen, dass du Narzissa geschwängert hast und sie deswegen heiraten wolltest.“
Lucius musste widerwillig schlucken. Nun wusste er erst, wie schlecht es Severus wirklich ging. Dieser gab nur dann einen Fehler zu, wenn er am Boden zerstört war. „Hättest du mir überhaupt zugehört?“ Es war kein Vorwurf, eher eine verzagte Bitte um Vergebung. Vergebung für den Verrat, den falschen Menschen geheiratet zu haben.


Sein Freund senkte den Kopf. „Vermutlich nicht.“ Seine Stimme war leise und klang verdächtig belegt, als kämpfte er darum, unter allen Umständen die Fassung zu bewahren.
Es kostete ihm einiges an Überwindung. Körperliche Berührungen, deren einziger Sinn darin bestand, andere zu trösten, existierten in der Welt der Malfoys nicht. Sie waren in den Augen seines Vaters Abraxas ein solch unerträgliches Zeichen von Schwäche, dass Lucius sich innerlich regelrecht verkrampfte, während er seinem Gegenüber seine rechte Hand auf den Rücken legte und ihn sanft streichelte. Severus wandte sofort den Blick ab. Ein heftiges Zittern durchlief seinen gesamten Körper. Sein Gast ahnte, was dies zu bedeuten hatte, und drehte sich zu ihm um. Zuerst zögerte Snape, wahrscheinlich aus Scham und um seine brüchige Selbstachtung aufrechtzuerhalten. Doch plötzlich lehnte er sich leicht gegen Lucius’ Körper und dieser nutzte die Chance, um seinen Freund in die Arme zu nehmen.


Dessen spröder Widerstand schmolz binnen Sekunden dahin. Und schließlich tat er das, was er die ganze Zeit über scheinbar unterdrückt hatte. Sein heftiges Schluchzen durchbrach die Stille zwischen ihnen beiden und seine Tränen benetzten Lucius’ teuren Umhang, doch dieser störte sich nicht daran. Stattdessen mischten sich die Hilflosigkeit und das Mitgefühl in seinem Inneren mit Erleichterung. Nicht die Erleichterung darüber, dass seine ewige Rivalin tot war. Nein, dazu war er angesichts Severus’ Zusammenbruchs nicht fähig. Die Geburt seines geliebten Sohnes Draco hatte seine quälende Eifersucht allmählich beschwichtigt.
Aber sein Freund ließ Lily endlich gehen, nach all den Jahren, in denen er sie nicht hatte haben können.





TBC



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen