Donnerstag, 20. März 2014

It started with a kiss Teil 3


Titel: It started with a kiss

Fandom: Harry Potter

Inhalt: Es begann mit einem Kuss und endete in einer Tragödie. Dazwischen lagen Jahre voller Trauer, Verleugnung und gegenseitigem Verrat… und verzweifelten Gefühlen.

Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Teil: 3/4
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere, Grundkonzepte und Songtexte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.

Hauptcharakter(e)/Paar(e): Severus Snape/Lucius Malfoy




Teil 3

I Don't Want You To Give It All Up

And Leave Your Own Life Collecting Dust

And I Don't Want You To Feel Sorry For Me

You Never Gave Us A Chance To Be

(Hoobastank – Running Away)



Hogsmeade, Juli 1995


„Wo warst du?“
Lucius’ Stimme schwankte zwischen Wut und verzweifelter Besorgnis, obwohl sich in seiner Miene weder das eine noch das andere widerspiegelte.
Snape hielt diese panische Reaktion für übertrieben. Abwehrend hob er die Hände. „Natürlich wird Er nicht begeistert sein, dass ich Seinem Ruf nicht gefolgt bin und zu Ihm auf den Friedhof kam.“
Sein Gegenüber unterbrach ihn mit einem abfälligen Schnauben. „Nicht begeistert? Du kannst froh sein, wenn du den morgigen Tag erlebst.“
Severus verdrehte die Augen und ließ seinen Blick über die Umgebung schweifen, um Lucius Zeit zu geben, sich wieder zu beruhigen. Die Heulende Hütte, in der sie sich trafen, hatte sich kein Bisschen verändert, seit Potter, Granger und Weasley ihn hier geschockt hatten. Dicke Staubschichten bedeckten den Boden und die wenigen ramponierten Möbel, die das Zimmer schmückten. Zudem hatten die Spinnen die Hälfte des Raumes für sich erobert und ihr Gebiet mit unzähligen ihrer Netze abgesteckt.


 

„Er sagte, Er würde jeden Seiner Anhänger schwer bestrafen, die Seinem Ruf nicht gefolgt seien.“, fuhr sein Freund inzwischen mit seiner belehrenden Rede fort.
Tief in seinem Inneren konnte er Lucius’ Furcht verstehen und liebte ihn dafür. Aber er wusste, würde er sich jetzt von dessen Panik anstecken lassen, dann konnte er seinen Gegenüber nie von seiner Meinung abbringen. Und dieser würde womöglich verhindern, dass Snape vor den Dunklen Lord trat. „Ja, vermutlich wird Er mich foltern. Doch Er wird mich nicht töten. Schließlich bracht Er nun mehr denn je einen Spion in Hogwarts. Und ich werde Ihm erklären, dass ich meine Tarnidentität nicht aufgeben und zu Ihm kommen konnte. Sonst wäre Dumbledore sofort misstrauisch geworden.“
Dieses Argument schien Lucius etwas zu erleichtern. Jedenfalls versuchte er, sich bei seinen nächsten Worten zu beherrschen. „Das mag vielleicht funktionieren. Im Endeffekt. Falls Er dich bis dahin nicht zu Tode gefoltert hat.”



 Frustriert blickte Severus zu Boden. Bei allem Respekt: Er hatte bisher überlebt und hatte sich damals vor Seinem Verschwinden wesentlich unerfahrener als Doppelagent angestellt. Aber das konnte er seinem Freund nicht auf die Nase binden. Er wusste nicht, was dieser über die Ereignisse der älteren und vor allem jüngsten Vergangenheit dachte. Schließlich hatte Snape zu verhindern versucht, dass Er mit Hilfe des Steins der Weisen zurückkehrte. Außerdem halfen bei Lucius’ derzeitiger Stimmung Vernunftgründe herzlich wenig. Daher war wohl die Androhung einer wesentlich schlimmeren Alternative angebrachter. „Soll ich etwa fliehen, mich irgendwo verstecken und darauf warten, dass Er mich findet? Glaubst du, Er wird dann gnädiger mit mir sein?“
Der Sarkasmus fruchtete. Sein Gegenüber senkte kaum merklich die Schultern, ein deutliches Zeichen dafür, dass er diesen Fragen keine überzeugenden Argumente entgegensetzen konnte. „Nein, natürlich nicht. Das würde alles nur verschlimmern.“



 Snape nickte kurz zustimmend. „Eben. Ich habe also keine andere Wahl. Ich muss dorthin oder ich bin so gut wie tot. Und darauf vertrauen, dass Er mich immer noch braucht. So sehr braucht, dass Er mich nicht entbehren kann.“
Lucius wich seinem Blick aus und starrte verbissen auf einen unsichtbaren Punkt hinter ihm. „Er hat angedroht, dich schwer zu bestrafen, ob du nun weiterhin nützlich sein kannst oder nicht. Sieh zu, dass du überlebst, damit du Ihn nachher von deiner Wichtigkeit überzeugen kannst. Etwas anderes wollte ich gar nicht erreichen.“
Severus seufzte innerlich frustriert auf. Sein Freund bewies mal wieder seine unnachahmliche Art, seiner Sorge Ausdruck zu verleihen. In Momenten wie solchen ärgerte ihn dieses Verhalten mehr, als er sich eingestehen wollte. Ein kleiner, sentimentaler Teil in ihm wünschte sich wenigstens einmal eine offene, höchst emotionale Reaktion seitens Lucius. „Ich habe bisher überlebt und nicht vor, daran irgendetwas zu ändern.“



 Lucius hob erneut das Kinn, diesmal eine Geste von verbissener Hilflosigkeit. „Das will ich dir auch geraten haben.“ Dann schlich sich völlig unerwartet ein Ausdruck offener Besorgnis auf sein Gesicht. „Er hat angedroht, dich zu töten. Er glaubt, du hättest ihn für immer verlassen. Ich weiß, dass Er dich damit gemeint hat, obwohl Er deinen Namen nicht sagte. Er erwähnte lediglich einen feigen und einen abtrünnigen Anhänger, die Er zu töten gedenkt. In all den Jahren, die wir Ihm gedient haben, hat Er dich nie einen Feigling genannt.“
Snape erkannte sofort das Problem, aber er hatte bereits damit gerechnet. Und er war der festen Überzeugung, perfekt vorbereitet zu sein. Der Dunkle Lord mochte fest entschlossen sein, ihn zu umzubringen, aber dem würde er vorgreifen. Er musste es tun, für Lily, selbst wenn der Gedanke an sie sein schlechtes Gewissen gegenüber seinem Freund nur noch verschlimmerte. Er hatte geschworen, seine Schuld wieder gutzumachen und ihren Sohn bei seinem Leben zu beschützen. Das war es, was ihn seine Taten ertragen ließ, etwas das die Beziehung zu Lucius niemals erreichen würde. Dieser war viel zu sehr Todesser, um seiner von all den Folterungen und Morden gequälten Seele Frieden zu geben. Manchmal wünschte er sich inständig, die Dinge lägen anders und sein Geliebter wäre ein Doppelagent so wie er, und er könnte sein Geheimnis mit ihm teilen.



 „Bedeutet das, dass du weiterhin in Hogwarts unterrichten wirst, falls dein Plan aufgeht?“
Die Frage seines Gegenübers riss ihn überraschend aus seinen Gedanken. In den Worten lag ein lauernder Unterton, fast als wollte dieser hören, dass er verneinte. Unwillkürlich fragte er sich, ob Lucius etwas ahnte. Oder auf irgendjemanden eifersüchtig war. Daher zielte er mit seiner Antwort genau auf dessen Schwachstelle ab. „Ich muss auf deinen Sohn Acht geben, nachdem Er zurückgekehrt ist und bestimmt Seine Finger nach der Schule ausstrecken wird.“
Sein Freund seufzte, deutlich angespannt. „Du willst dich wirklich zurück in die Höhle des Löwen begeben? Dumbledore mag ein elender Muggelfreund sein, aber ich weiß, er würde keinem seiner Schüler etwas antun. Einem Spion in seinen Reihen allerdings…“
Die unausgesprochene Behauptung hing in der Luft wie ein Damoklesschwert. Snape befürchtete sofort, dass Lucius ihm in dieser Hinsicht misstraute und seine Arbeit in Hogwarts nicht gutheißen konnte. Immerhin hatte er dort, bei Seinem Erzfeind, nicht gekündigt, nachdem Er verschwunden war.



 Schnell wandte er sich ab, um sein Unbehagen zu verbergen. Nachdem er sich nach wenigen Sekunden wieder gefasst hatte, warf er seinem Freund einen durchdringenden Blick zu. „Was glaubst du? Wenn ich es nicht tue, habe ich für Ihn keinerlei Nutzen und Er würde mich schneller verfluchen, als du Seinen Namen flüstern kannst. Ja, ich weiß, deiner Meinung nach hätte ich diese Schlammblutgrube sofort verlassen sollen. Aber verrate mir eins: Wie hätte ich dann meinen Lebensunterhalt bestreiten sollen?“
Lucius’ schuldbewusste Miene verriet ihm, dass er dessen Misstrauen wirkungsvoll zerstreut hatte. Auch wenn er damit sein eigenes schlechtes Gewissen nicht beruhigen konnte.



 Askaban, August 1996


Lucius Malfoy zitterte am ganzen Leib. Er hatte sich die löchrige Decke um den Oberköper geschlungen, die die Gefängnisleitung als Bettzeug bezeichneten. Doch gegen die modrige, feuchte Kälte seiner Zelle bot der mottenzerfressene Stoff nicht den geringsten Schutz.
Seit er in Askaban eingeliefert worden war, versuchte er jeden Tag aufs Neue, seine in den Jahrzehnten seines Lebens perfektionierte Fassade aufrechtzuerhalten. Niemand sollte ihn schreien, betteln oder sogar weinen sehen. Nicht hier an diesem Ort, an dem sich gemeine Verbrecher, geisteskranke Psychopathen und politische Gefangene wie er versammelten. Vor allem die Individuen, die ihre Verbrechen aus niederen Gründen heraus begangen hatten, glaubten, sie könnten sich mit Hilfe von roher Gewalt Respekt verschaffen. Und gerade die Abwesenheit der Dementoren, die sich Voldemort angeschlossen hatten, schien diese Bemühungen nur zu verstärken.



 Lucius wusste, dass er sich vor diesen Kerlen keine Blöße geben durfte, nachdem sie ihm überdeutlich zu verstehen gegeben hatten, dass sie ihn aufgrund seines Reichtums und seiner Stellung verachteten. Sie sahen in ihm ein verwöhntes Kind reicher Eltern, das nie die Armut kennen gelernt hatte, unter der sie ihr Leben lang gelitten hatten. Sie taten alles, um von ihm hören, dass er trotz seines Goldes weniger Wert war als der Dreck unter ihren Stiefeln.
Doch das Allerschlimmste war, dass nicht einmal das Dunkle Mal auf seinem Unterarm sie beeindrucken konnte. Natürlich wussten die meisten von ihnen, dass Er zurückgekehrt war. Aber scheinbar hatten sie auch erfahren, dass er im Ministerium kläglich versagt hatte und deswegen bei Ihm in Ungnade gefallen war.
Oder sie liebten es einfach, andere zu quälen, die keine Hilfe von außen erwarten konnten.



 In seinen Augen waren die Lebensbedingungen an diesem Ort ohnehin untragbar. Er wollte gar nicht wissen, wie verdreckt er war nach all den Wochen, in denen er nicht ein einziges Bad hatte nehmen dürfen. Man hatte ihm lediglich ein paar Mal einen Eimer mit eiskalten Wasser vor die Füße gestellt, ihm ein widerlich riechendes Stück uralter Seife in die Hand gedrückt und ihm befohlen, sich damit vom oben bis unten abzuwaschen.
Dies half nicht annähernd gegen den Gestank, der sich in jeder Ecke des Gefängnisses eingenistet hatte und in jede Pore eindrang, um sie zu vergiften. Er hatte bereits das Gerücht gehört, dass man sich mit der Zeit daran gewöhnte, aber das konnte er nicht bestätigen. Stattdessen wurde seine Abneigung gegen den Mief nach Verwesung, Exkrementen und Moder täglich stärker und er befürchtete jeden Morgen, es nicht mehr ertragen zu können. Er fühlte sich unendlich schmutzig und war davon überzeugt, dass er niemals diesen Dreck loswerden würde, sollte er irgendwann wieder einmal ein richtiges Bad von innen sehen.



 Plötzlich riss ihn das Geräusch eines großen Schlüssels, der gewaltsam ins Schloss gesteckt wurde, aus seinen unerfreulichen Gedanken. Mit einem Seufzen hob er den Kopf und stand dann betont langsam von seiner ungemütlichen Pritsche auf.
Im selben Moment schwang die Tür zu seiner Zelle auf und der stets verlottert wirkende Wächter dieses Trakts betrat ohne Umschweife den Raum. „Besuch, Malfoy.“
Dann ließ er Lucius geschockt zurück, der nicht eine Sekunde damit gerechnet hatte, dass an diesem Tag jemand bei vorbeikommen würde. Narzissa und Draco kündigten sich immer mindestens mehrere Stunden vorher an, sodass er sich einigermaßen herrichten konnte. Nie würden sie ihn so unverhofft überraschen.



 Unvermittelt näherte sich ihm der Mann, den er seit dem Zeitpunkt seiner Festnahme verflucht hatte. Er spürte, wie er innerlich zu Eis gefror, und war dankbar darüber. Denn auf diese Weise konnte er seinem Gast kalt und emotionslos entgegengehen. „Severus.“
Sein ehemaliger Geliebter zuckte kurz, fast unmerklich zusammen und der blonde Todesser begrüßte es. Es gab seinem Zorn genügend Nahrung, um den Schmerz in seinem Inneren abzutöten. „Was willst du hier, du Verräter?“
Snapes Miene wurde ausdruckslos und er reckte leicht das Kinn. „Ich bin kein Verräter.“
Lucius hätte am liebsten gelacht, hätte er es über sich gebracht. So entfuhr ihm lediglich ein abfälliges Schnauben. „Draco hat es mir erzählt. Dass Potter dir eine verschlüsselte Nachricht zugerufen hat, dort oben, in Umbrigdes Büro. Du hast den Orden informiert.“
Das Gesicht seines Gegenübers zeigte keinerlei Regung, doch seine Stimme wurde schneidend. „Du irrst dich. Sie müssen diesen verfluchten Hauselfen zum Reden gebracht haben. Ich war es auf keinen Fall.”
„Elender Lügner!” Inzwischen konnte sich der Gefangene nicht mehr beherrschen. „Du arbeitest für Dumbledore. Warum sonst hast du nicht versucht, diesen verflixten Jungen aus dem Weg zu räumen? Oder Quirrell dabei geholfen, Ihn zurückzubringen?“



 Mit einem ekelhaft tadelnden Blick schüttelte Severus entschieden den Kopf. „Für alles, was ich tat, gab es berechtigte Gründe. Ich weiß, du kannst sie nicht nachvollziehen, weil du nicht in meiner Haut steckst, aber du solltest mir nichts vorwerfen, was ich nicht zu verantworten habe. Und wenn Er es nicht genauso sehen würde, wäre ich längst tot.“
Lucius wäre ihm in diesem Moment am liebsten an die Kehle gesprungen und hätte ihn mit eigenen Händen erwürgt. Selbst wenn eine solche Tötungsart sonst völlig unter seiner Würde war. Er hatte alles getan, was der Dunkle Lord von ihm verlangt hatte, um seine Versäumnisse in der Vergangenheit und die Tatsache wieder gutzumachen, dass er kaum versucht hatte, ihn zurückzubringen. Er war das Risiko eingegangen und in das Ministerium eingebrochen, obwohl die Gefahr erwischt zu werden nicht gerade gering gewesen war. Und der Mann, von dem er geglaubt hatte, dass er ihn liebte, hatte nichts unternommen, um ihm beizustehen. Stattdessen schwänzelte er immer noch um Dumbledore herum, während sein früherer Freund langsam in Askaban verrottete.



 Auf einmal war der Schmerz mit voller Wucht zurück, doch er wollte ihn nicht nach außen zeigen. Daher ging er wutschnaubend zum Gegenangriff über. „Ich vertraue dir nicht mehr. Um ehrlich zu sein hegte ich schon lange die Befürchtung, du könntest dich zu sehr an diesen Muggelliebhaber von einem Schulleiter gewöhnen. Und die Ereignisse vor wenigen Wochen haben mir das nur bestätigt. Du warst nicht da, um zu kämpfen. Du hast dich feige verkrochen in deinem Kerker tief unten in Hogwarts. Du hast uns im Stich gelassen. Du hast mich im Stich gelassen. Und das mit Absicht. Du kannst mir erzählen, was du willst. DU hast Black und seine Mitstreiter ins Ministerium geschickt und niemand sonst. Deinetwegen bin ich hier gefangen, deinetwegen grollt Er mir. Und meiner Familie, meinem Sohn. Deinetwegen hat Er es jetzt auf meine Frau und mein einziges Kind abgesehen, solange bis sie für meinen Fehler in Seinen Augen genug gebüßt haben.“
Für eine Sekunde schien es, als würde Snapes Maske vollkommen in sich zusammenfallen. Doch der Mistkerl hatte sich zu gut unter Kontrolle. „Wenn das deine Überzeugung ist, sollten wir uns nie wieder sehen.“



 Abrupt drehte sich Severus um, sodass sein Umhang leise in der Luft flatterte, und marschierte zur Tür hinaus, die hinter ihm sofort zugeschlagen wurde.
Lucius wartete, bis die Schritte seines Gastes in der Ferne verklungen waren, und näherte sich dann zögerlich dem kleinen vergitterten Fenster, das ihm eine schmale Aussicht auf den Gang gewährte. Sein Zorn verrauchte allmählich und überließ seinem Schmerz das Schlachtfeld. Eine kleine Träne rann daraufhin seine Wange hinab, während er sich unablässig fragte, weshalb sein Geliebter ihn bloß verraten hatte.

 


TBC


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