Mittwoch, 26. März 2014

It started with a kiss Teil 4


Titel: It started with a kiss

Fandom: Harry Potter

Inhalt: Es begann mit einem Kuss und endete in einer Tragödie. Dazwischen lagen Jahre voller Trauer, Verleugnung und gegenseitigem Verrat… und verzweifelten Gefühlen.

Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Teil: 4/4
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere, Grundkonzepte und Songtexte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.

Hauptcharakter(e)/Paar(e): Severus Snape/Lucius Malfoy



Teil 4


Another Shot Of Whiskey, Can’t Stop Looking At The Door

Wishing You’d Come Sweeping In The Way You Did Before

And I Wonder If I Ever Cross Your Mind

For Me, It Happens All The Time

For Me, It Happens All The Time

(Lady Antebellum – Need You Now)



Malfoy Manor, Oktober 1997

 Es war eine sternenklare, kühle Nacht, während Severus über das Gelände des Malfoy Manor streifte. Dort in der Villa feierten die Todesser ihren großen Triumph über das Ministerium, ein ständiges Fest zu Ehren des Dunklen Lords.
Snape hasste es. Wenn Er ihn nicht zu sich gerufen hätte, um mit ihm über das weitere Vorgehen in Hogwarts zu sprechen, wäre er nie hierher gekommen. Vor allem deswegen nicht, weil er nicht mit ansehen konnte, wie Lucius immer und immer wieder auf die bösartigste Weise gequält und gedemütigt wurde. Und er konnte nichts dagegen unternehmen, ohne selbst zur Zielscheibe zu werden und obendrein das Leid der gesamten Familie zu verschlimmern. Seine Anhänger waren in einer gefährlichen Stimmung, in der sie sich regelrecht auf denjenigen stürzten, dem zuviel Aufmerksamkeit zuteil wurde und der in Seiner Hierarchie weit unter ihnen stand. Im Moment konnten sich zumindest Draco und Narzissa vor Übergriffen der Feiernden verstecken. Doch das würde nicht lange anhalten, falls jemand verhinderte, dass der Hausherr ab und zu mit bissigen Kommentaren bedacht oder absichtlich herumgeschubst wurde. Oder schlimmeres.


Sein ehemaliger Freund würde sich von ihm auch nicht helfen lassen. Seit ihrem schweren Streit in Askaban hatten sie kein Wort mehr miteinander gewechselt. Severus hatte schon befürchtet, Lucius würde Ihm von seinem Verdacht erzählen und seinen früheren Geliebten des Verrats bezichtigen. Doch dieser hatte es nicht getan. Bisher nicht.
Vielleicht lag es daran, dass jener entgegen seiner hasserfüllten Rede weiterhin Gefühle für ihn hegte. Oder vielleicht war Lucius auch nur der Meinung, dass Er ihm sowieso nicht glauben würde, jetzt nachdem er in Seiner Achtung so tief gesunken war.
Snape seufzte schwach. Nach all den Monaten quälte ihn das immer noch, was ausgerechnet der Mann ihm vorgeworfen hatte, den er liebte. Er hatte seinen Freund und dessen Familie nie verraten und an die Regierung ausliefern wollen. Sein einziges Ziel war es gewesen zu verhindern, dass Voldemort die Prophezeiung in Seine Finger bekam. Dabei hatte er inständig gehofft, dass Lucius jede Chance nutzen und fliehen würde, bevor man ihn verhaftete.


Plötzlich bemerkte er, dass jemand neben ihn trat, während er nach außen hin die Sterne betrachtete. Sofort versteifte er sich völlig, setzte seine Maske aus kalter Emotionslosigkeit auf und wappnete sich dagegen, einem betrunkenen Todesser solange spöttische Antworten zu geben, bis dieser genervt wieder verschwand.
„Was tust du hier? Willst du nicht mit den anderen feiern? Glaubst du, du bist zu gut für sie?“
Lucius’ Stimme triefte vor abfälligem Spott, aber darunter lag noch etwas anderes, Flehendes. Als würde er alles, selbst einen heftigen Streit den Demütigungen in seiner Villa vorziehen.
Er reagierte so teilnahmslos wie möglich. „Du konntest dich also davonschleichen, ja? Und jetzt willst du deine Wut erneut an mir auslassen? Hat dir Askaban nicht gereicht?“
Eine unangenehme Stille trat ein. Severus wagte nicht, seinen ehemaligen Geliebten anzusehen. Viel zu sehr befürchtete er, dass dies nur die Ruhe vor dem Sturm war und sein früherer Freund lediglich Anlauf nahm, um zu finalen Schlag auszuholen.


Stattdessen seufzte dieser tief. „Es tut mir Leid.“, flüsterte er ergeben.
Fassungslos drehte sich Snape zu ihm um. Damit hatte er im Leben nicht gerechnet. Ein Malfoy entschuldigte sich nicht oder gab irgendeinen Fehler offen zu. Niemals. „Was?“
Lucius warf ihm einen Blick zu, eine Mischung aus Verlegenheit und Schüchternheit. Doch ihm direkt in die Augen zu sehen wagte er nicht. „Narzissa hat mir erzählt, was du getan hast. Dass du einen Unbrechbaren Schwur geleistet hast, um meinen Sohn zu retten. Du wärst gestorben, um ihn davor zu bewahren, getötet zu werden.“
Mit einem Schlag zerbrach Severus’ mühsam aufrechterhaltene Maske und machte seinem schlechten Gewissen Platz, das sich gewaltsam das Feld zurückeroberte. Für eine Minute konnte er nicht sprechen, geschweige denn denken. Erst nach einem ausführlichen Räuspern hatte er sich soweit gesammelt, um zu antworten. „Dumbledore hätte Draco nie umgebracht, selbst wenn dein Junge wirklich ernst gemacht hätte.“
„Aber Er hätte es getan.“


Dieser Einwand war sehr berechtigt. So berechtigt, dass Snapes Schuldgefühle ihn beinahe zu erschlagen drohten. Es war die Idee des Schulleiters, nicht die seine gewesen, den Schwur zu leisten. Es war nicht so, dass er Malfoy Junior nicht hatte helfen wollen, aber ein Mord war das Letzte gewesen, an das er dabei gedacht hatte. Vor allem an dem alten Albus. Er hätte stattdessen alles getan, um genau das zu vermeiden, obwohl er Dumbledore dafür gehasst hatte, dass er aufgrund dessen Pläne den Mann, den er liebte, hatte verraten müssen. „Vermutlich. Oder Er hätte ihn genauso gedemütigt, wie Er es nun tut. Nur um sein Leiden und das deine zu verlängern.“
Lucius nickte schwach. „Ich weiß, dass du uns verraten hast, damals als wir in das Ministerium eingedrungen sind, um die Prophezeiung zu stehlen. Es passt alles zusammen. Das mag Ihm egal sein oder Er fühlt sich zu überlegen, um es zu erkennen. Doch ich bin mir sicher. Meine Vorwürfe in Askaban waren nicht völlig haltlos. Ich kann mir auch denken, für wen du das alles getan hast. Aber in einer Hinsicht habe ich mich völlig geirrt: Du hast niemals mich oder meine Familie verraten wollen. Dafür hast du viel zu viel für uns getan.“


Voller Hass auf sich selbst wandte Severus sich ab. „Dumbledore wollte es so. Er war der Meinung, es hätte Draco zerstört, in seinen jungen Jahren bereits einen Mord zu begehen.“
Leider genügte dieses Argument nicht, um seinen Freund von seiner Schuld zu überzeugen. „Du hättest es dennoch nicht machen müssen. Genauso wenig wie du dafür hättest sorgen müssen, dass Er uns nicht einsperrt oder jeden Tag mehrere Stunden foltert. Ich habe auch erfahren, dass wir bereits tot wären, wärst du nicht gewesen.“
Plötzlich spürte Snape, dass Lucius’ Hand ihm zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Er versteifte sich unwillkürlich, in der felsenfesten Meinung, diese Behandlung nicht verdient zu haben. Trotzdem drehte er langsam den Kopf, um seinen Geliebten anzusehen. „Heißt das, du willst mich Ihm nicht ausliefern?“, erkundigte er sich herausfordernd.
Die Miene seines Gegenübers war ausdruckslos, doch sein Blick spiegelte all seine Gefühle wider: Die Zuneigung und die Liebe, die er für ihn empfand und die er die vielen Jahre zuvor so schwer hatte zeigen können. Auf einmal waren sie so offensichtlich, dass es schmerzte. Denn es bedeutete, dass Lucius seine ihn schützende Maske fast gänzlich aufgegeben hatte und dadurch umso verletzlicher war. Ein Umstand, den Severus sich nicht für ihn wünschte.


Endlich schüttelte sein Freund entschieden den Kopf. „Ich würde dich niemals verraten. Inzwischen will ich nur noch, dass alles vorbei ist. Soll Potter doch Erfolg haben! Hauptsache wir überstehen es alle vier heil und unbeschadet.“
Snape zog ihn an sich, eine spontane Geste, über die er nicht nachgedacht hatte. Sonst hätte er es nicht getan, aus Angst, dass sie beide erwischt wurden. „Wir werden in diesem Krieg nicht sterben.“, versicherte er mit Bestimmtheit, konnte jedoch selbst nicht recht daran glauben.


Hogsmeade, Juli 1998

 Die Sonne strahlte in ihrer ganzen Pracht auf das kleine, schottische Örtchen herab. Kleine Schäfchenwolken zogen über den strahlend blauen Himmel und verliehen diesem ein friedliches und zugleich fröhliches Aussehen. Das Gras leuchtete in einem satten Grün, die Bäume wiegten sich leicht im frischen Wind, der durch ihre Äste rauschte. Vögel flogen fröhlich zwitschernd über das Dorf hinweg, Katzen tollten ausgelassen in den Straßen, die ruhig und still dalagen.
Alles wirkte so, als hätte sich die grausame Schlacht wenige Kilometer weiter zwischen Voldemorts Anhängern und den Schülern Hogwarts’ nie zugetragen. Es gab viele, die jenes hofften, sich sogar verzweifelt einzureden versuchten, während sie sich abmühten, ihr früheres Leben wieder aufzunehmen und so weiterzuleben, als wäre nichts geschehen.
Und fast schien es, als würde es ihnen auch gelingen.


Hogsmeades kleiner Friedhof, der dank der viele Toten, die in den Monaten zuvor zu beklagen gewesen waren, auf das Doppelte seines Umfangs angewachsen war, war verlassen. Niemand besuchte an jenem Tag die Verstorbenen, niemand streifte andächtig zwischen den unzähligen Grabsteinen umher oder wachte über einen von ihnen.
Niemand außer einer einzigen Person.
Nun, streng genommen war sie nicht andächtig, wachte nicht über diejenigen, die für immer diese Welt verlassen hatten und streifte auch nicht gedankenverloren zwischen den Reihen der Gräber entlang. Nein, vielmehr torkelte sie, die Flasche Scotch in ihrer rechten Hand stieß immer wieder klirrend gegen ein Hindernis, ohne wirklich zu zerbrechen. Obwohl dies ihrem Besitzer völlig egal gewesen wäre, würden die Scherben doch perfekt die Zerbrochenheit seiner Seele reflektieren.
Jetzt, nachdem das Schlimmste eingetreten war, das er sich jemals hatte vorstellen können. Er, sein einziger wirklicher Lebensinhalt, war tot, gebissen und umgebracht von dieser im wahrsten Sinne verfluchten Riesenschlange, an der er sich nicht einmal hatte rächen können, weil ein zweitklassiger Möchtegernkämpfer des Guten sie zerstückelt hatte.


Mit einem unterdrückten Schluchzen blieb Lucius Malfoy vor dem Grab seines Geliebten Severus Snape stehen, wankend, aber noch standhaft. Er hatte sich eigentlich vorgenommen gehabt, seinen Besuch mit hocherhobenem Haupt, stocknüchtern und so emotionslos wie es seiner Familie geziemte zu gestalten, doch allein die Aussicht darauf, ohne einen Tropfen Alkohol im Blut das Haus zu verlassen, diesen schweren Gang anzutreten und den unbarmherzigen, in Stein gemeißelten Worten entgegenzutreten, die den Verlust seiner Liebe so unwiderruflich bezeugten, dass er es nicht mehr leugnen konnte… all das hatte ihn beinahe erdrückt, ihn dermaßen gelähmt, dass er seine Schmerzen hatte betäuben müssen. Wie sooft seitdem er die Leiche seines Freundes in der Heulenden Hütte gefunden hatte.
Ausgerechnet er hatte ihn dorthin geschickt!
Jener Gedanke entriss ihm einen qualvollen Schrei, verwandelte seine Beine in Blei, bis sie einknickten und er in völliger Verzweiflung vor dem Grab kniete. Er hatte Snape zu Ihm geschickt, obwohl er geahnt hatte, hätte ahnen müssen, dass dies dessen Tod bedeuten würde.
Er hätte es ahnen, jenen warnen, jenen aufhalten müssen. Es war seine Schuld, nur seine!


Die Flasche fiel ihm aus der Hand, so kraftlos war er, und zerschellte auf dem Boden, ergoss ihren bernsteinfarbenen Inhalt auf der feuchten Erde unter ihm. Gebrochen wie er war sie nun, doch es war ihm alles egal, alles war verloren.
Nie hätte er gedacht, dass ein einziger Kuss, ein winziger Moment, der lediglich aus einem diebischen, spontanen Versuch heraus geboren worden war, einen verschlossenen Jungen zu schocken, sein ganzes Leben in völlig überraschende Bahnen lenken und einmal in dieser Katastrophe enden würde.
Ausgerechnet an dem Ort hatte alles begonnen, an welchem sein Liebster begraben war.
Welch grausamer Wink des Schicksals, welch furchtbare Wendung, die ihm sein Herz zerrissen hatte! Als wäre dieses Dorf genauso verflucht wie die angebliche Hütte, in der Er ihm das wertvollste genommen hatte, das er je besessen hatte.
Wieso hatte er sich überhaupt darauf eingelassen? Er hätte doch wissen müssen, dass eine solche Beziehung lediglich in unvorstellbarem Leid münden konnte.


Unerwartet wandelte sich seine Wut, richtete sich nicht mehr gegen sich selbst, sondern gegen den Mann, den er hatte begraben müssen. Anklagend streckte er den langen, dünnen, inzwischen knochigen Finger nach dem Grabstein aus. „DU hast mir versprochen, dass wir alle überleben werden. Dass niemand von uns sterben muss. DU hast es MIR geschworen!“
Die letzten Worte schrie er regelrecht hinaus, nicht mehr fähig auch nur den Hauch seiner früheren Maske aufrechtzuerhalten. Die Kraft dazu fehlte ihm, er war ausgehöhlt durch seine Trauer, seinen Schmerz und den Alkohol, den er tagtäglich in sich hineingoss, um die Leere in seinem Inneren zu füllen und die schneidende Einsamkeit zu vertreiben. Weder Narzissa noch Draco hatten seit dieser Nacht zu ihm durchdringen, ihn wirklich zurück ins Leben hatten holen können und betrachteten ihn seither als bemitleidenswertes Wrack, das man nach Möglichkeit vor jedem Besuch tunlichst versteckt hielt.
So sehr hatte er für die beiden gekämpft, hatte um Ihretwillen sogar den Menschen verleugnet, ohne den er nicht mehr existieren konnte, und jenen vor den Kopf gestoßen, ihm Verrat vorgeworfen und war ihm absichtlich aus dem Weg gegangen.
Und wofür? WOFÜR?


Soviel vergeudete Zeit, so viele verpasste Gelegenheiten, so wenige gemeinsame Stunden, alles zerschellt an Voldemorts scharfen Klippen, dem eisernen Willen seiner Familie, den Umständen, die sie soweit auseinander hatten treiben lassen.
Er hatte ihm nicht einmal Lebwohl sagen, ihm bloß leise raten können, vorsichtig zu sein, Ihn nicht zu verärgern. Immer wieder plagten ihn die letzten Minuten mit seinem Geliebten, Bild- und Wortfetzen, die sich einfach nicht mehr zu einem ganzen Bild zusammensetzen wollten.
„Er will dich sprechen.“ „Das habe ich geahnt. Wo?“ „In der Heulenden Hütte, aber…. Severus, Er ist in einer sonderbaren Stimmung.“ Ein stirnrunzelnder Snape, nach außen furchtlos wie immer, obwohl er es sein sollte. „Das ist Er, seit wir Hogwarts erreicht haben und Er Seinem Ziel, Harry Potter zu töten, immer näher kommt.“ „Heißt das, du willst gehen?“ „Du weißt genau, es entspräche eher der Unterzeichnung meines Todesurteils, wenn ich nicht ginge.“ Lucius’ Hand, die sich in den rechten Oberarm seines Geliebten krallt, die Panik steht ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. „Pass auf dich auf!“ Severus’ Finger, die diejenigen seines Freundes sanft von seinem Körper lösen, die letzte Berührung, die sie austauschen. „Keine Angst, ich komme zurück.“
Lucius hatte es von Anfang an nicht glauben können, hatte bloß ein paar Minuten gewartet, bevor er seinem Geliebten gefolgt war. Plötzlich hatte sich Narzissa ihm in den Weg gestellt, von ihm gefordert, Draco zu finden und er war abgelenkt worden.
Fatal, unentschuldbar.
Schließlich, als seine kleine Familie wieder zusammengefunden hatte, war er losgeeilt, um Severus zu suchen und ihn tot in der Heulenden Hütte zu entdecken.


Er neigte seinen Kopf vor, bis seine Stirn sanft auf den eiskalten Grabstein traf. Er schloss die Augen und stellte sich vor, es wäre die kühle Haut seines Geliebten. Eine letzte Berührung, ein letzter Gruß, ein Abschiednehmen für immer, das er wohl nie verkraften würde.


Ende



1 Kommentar:

  1. Sehr schön geschrieben. Ich kenne zwar eine Version der Fan-Fiction von Potter & Draco, aber Lucius & Severus ist mal was neues. Danke dafür.

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